Temelín: Reaktorblock bereit für Probebetrieb

25. Juli 2000, 20:12

Oberösterreich will Widerstand auf allen Ebenen verstärken

Prag/Linz - Während in Tschechien der erste Reaktorblock des Atomkraftwerks (AKW) Temelín praktisch fertiggestellt ist, verschärft das Bundesland Oberösterreich seine Gangart, um das Kernkraftwerk russischer Bauart doch noch zu verhindern. Auch im Falle einer Inbetriebnahme will man weiter kämpfen.

Wie berichtet, waren Anfang des Monats die Brennstäbe in das AKW eingebracht worden. Nun seien alle Mess-und Regulierungsinstrumente aktiviert worden und der Reaktorblock für weitere Test bereit, wie Temelín-Sprecher Milan Nebesar am Dienstag erklärte.

In Oberösterreich will man nun alle Hebel in Gang bringen, um den Probebetrieb zu verhindern und eine Aufrüstung auf westliche Sicherheitsstandards zu erzwingen. Vertreter aller vier Landtagsparteien kritisierten bei einer Pressekonferenz in Linz den Versuch Tschechiens, "in der politischen Urlaubszeit vollendete Tatsachen zu schaffen", wie es Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) ausdrückte.

Umweltverträglichkeitsprüfung

Oberösterreich fordert eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung nach internationalem Standard und eine Einbeziehung der Nachbarstaaten in den Prozess. Um diese Anliegen durchzusetzen, sucht man sowohl bei der österreichischen als auch der deutschen Bundesregierung Unterstützung. Auch die EU soll Tschechien zum Einlenken zwingen, derzeit steht bei den Gesprächen zur Osterweiterung gerade das Energiekapitel auf der Tagesordnung. An ein Veto Österreichs zum Beitritt Tschechiens wegen Temelín glauben die Politiker aber nicht.

Auch SP-Umweltsprecherin Ulli Sima appellierte am Dienstag an Tschechien, vor einem Probebetrieb, der etwaige Abbruchkosten in die Höhe schnellen lassen würde, ein Referendum abzuwarten. Am Mittwoch soll im Prager Parlament ein Gesetzesentwurf zu einer Volksabstimmung eingebracht werden. Entschieden werden dürfte darüber aber frühestens im September - ob der Antrag überhaupt Aussicht auf Erfolg hat, ist fraglich. (moe)

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