Novell zu Red Hat: Mehr Interesse am Linux-Desktop ist für alle gut

20. September 2007, 11:38
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Konkurrenz müsse sich aber erst beweisen - OpenOffice.org zentrales Element im Desktop - Novells Produktmanager Guy Lunardi im Gespräch

Seit kurzem ist die Katze aus dem Sack: Red Hat will sich künftig wieder verstärkt dem Linux Desktop widmen. Angesichts der aktuellen Erfolge des SUSE Linux Enterprise Desktop (SLED) keine große Überraschung, wie Novells Desktop-Produktmanager Guy Lunardi meint.

Anerkennung

"Auf eine gewisse Weise ist das eine Anerkennung unserer technologischen Führerschaft im Linux-Bereich". Nicht zuletzt würde Red Hat damit ja auch auf aktuelle Erfolge des Konkurrenten reagieren. Novell hatte zuletzt einige bedeutende Deals - etwa mit dem französischen Autohersteller Peugeot - gerade auch wegen des Desktop-Angebots an Board ziehen konnte, wie Lunardi unterstreicht. In vielen aktuellen Deals sei bereits der Desktop das treibende Element, der Server werde dann eben "mitgekauft".

Engagement

Prinzipiell begrüßt Lunardi aber das wieder erwachte Engagement von Seiten Red Hats: Es sei gut für den Linux-Desktop, und was gut für den Linux-Desktop sei, sei schlussendlich auch gut für Novell. Große Sorgen darüber, dass Red Hat einem damit auch potentielle KundInnen vor der Nase wegschnappen könnte macht, er sich aber ohnehin nicht. Erstens müsse sich Red Hat in diesem Bereich erst einmal beweisen, zweitens habe man eine nicht zu unterschätzende technologische Führerschaft im Bereich des Linux-Desktops. Dies manifestiere sich nicht nur in den Produkten, sondern auch in dem eingespielten Desktop-Team, dass man mittlerweile versammelt hat. Insgesamt rund 80 EntwicklerInnen seien dort zur Zeit beschäftigt, und das Team wachse stetig weiter.

OpenOffice.org

Ein Beispiel dafür sei etwa OpenOffice.org, Novell verstärke momentan sein eigenes Entwicklungsteam für die freie Office-Suite spürbar, während Red Hat derzeit gerade mal einen Entwickler für die Software beschäftigt hat. Auf die Frage, ob das eigene Wachstum nur vom aktuellen Abkommen mit Microsoft - und der Verbesserung der Kompatibilität mit dessen Dateiformat OpenXML - getrieben wird, antworte Lunardi mit einem klaren "Nein". Dies sei zwar auch ein Grund für die Aufnahme neuer EntwicklerInnen, aber bei weitem nicht der Einzige. OpenOffice.org sei schlicht ein zentrales Element des eigenen Angebots, dabei sei auch die Windows-Version - Novell bietet seit kurzem auch offiziell eine erweiterte Variante der freien Office-Suite für Microsofts Betriebssystem an - von großer Bedeutung. Immerhin stelle der Einsatz von OpenOffice.org unter Windows oft den ersten Schritt in Richtung Linux dar.

Suns Beteiligung

Große Angst davor, dass Sun einmal aus dem Projekt aussteigen könnte - immerhin stellt Sun zwar die meisten EntwicklerInnen für OpenOffice.org, die Software ist aber nicht unbedingt zentraler Bestandteil der Firmenstrategie - hat Lunardi nicht. Selbst wenn dies passieren würde, würde dies die Entwicklung der freien Office-Suite nur kurzfristig beeinträchtigen. Zwar mache Sun "fantastische Arbeit" für OpenOffice.org, aber mittlerweile gebe es zahlreiche Unternehmen, die OpenOffice.org für ihre eigenen Anwendungen benötigen, zusätzlich wachse die EntwicklerInnen-Community stetig.

Office 2007

Microsofts Office 2007 sieht der SLED-Produktmanager vor allem als Chance: Die großen Änderungen am Interface würden die Chancen von OpenOffice.org gar verbessern. Denn unabhängig davon, ob diese nun Verbesserungen darstellen oder nicht, viele Office-ArbeiterInnen sind einfach so eingespielt auf das alte UI, dass sie keine Neuerungen wollen. Und wenn man dann schon umlernen müsse, dann kann man sich gleich nach einer Alternative umsehen, und da habe OpenOffice.org eben einen entscheidenden Kostenvorteil.

Gemeinsame Standards

Zurückkommend auf Red Hat hält Lunardi fest, dass es für den Erfolg des Linux-Desktops von entscheidender Bedeutung sein wird, dass man sich auf gewisse gemeinsame Standards verständige, so wie man es ja auch in der Vergangenheit mit der übereinstimmenden Wahl von zentralen Komponenten wie D-BUS, HAL, NetworkManager oder auch dem GNOME-Desktop getan habe. Bei anderen Dingen gebe es aber natürlich auch unterschiedliche Auffassungen, etwas wenn es um die freie .Net-Alternative Mono oder darauf basierende Programme wie die Desktop-Suche Beagle gehe. (Andreas Proschofsky aus Salt Lake City)

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Novell

  • Guy LunardiProduktmanager für Novells SUSE Linux Enterprise Desktop
    foto: novell

    Guy Lunardi
    Produktmanager für Novells SUSE Linux Enterprise Desktop

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