Installateurin verzweifelt gesucht

30. Juli 2007, 13:30
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Nicht überall, wo weibliche Lehrlinge willkommen wären, wollen diese hin: So haben sich die Installateure mit mangelndem Interesse abgefunden

Wien - "Vor einigen Jahren" war er bemüht, weibliche Lehrlinge zu finden, erinnert sich Michael Mattes, Inhaber des Installationsunternehmens Gebrüder Medek. Dem Betrieb hatte der Wiener Innungsmeister für Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik vorschriftsgemäß eigene Frauen-Toiletten verpasst. "Die Meldung an das AMS hätte ich aber auch wegschmeißen können", zeigt sich Mattes bis heute enttäuscht, weil es "keine Resonanz" gab.

Grundsätzlich können den körperlich anstrengenden Job auch Frauen machen, so Mattes. Wobei weibliche Lehrlinge in einer späteren Bürokarriere auch "Ahnung vom Handwerk" hätten. Derzeit sei ihm ein Ärgernis, dass Bürokaufleute oft "keine Ahnung vom Material haben". Zukunftsweisend wäre darum eine Bürolehre, deren letzte Phase auf die Baustelle führt, um die Daten, mit denen im Alltag jongliert wird, mit dem Handwerk verbinden zu können. Mattes: "Das könnte ich mir gut vorstellen."

Über eine wachsende Frauenquote freut sich der Geschäftsführer der Bundestischlerinnung, Dietmar Schönfuß: "Sie dringen immer weiter in die Männerdomäne ein." 2006 stand als Gewinner des Bundeslehrlingswettbewerbs "erstmals eine junge Dame" fest. Die Wirtschaftskammer reiht den Tischlerberuf auf Platz 20 der beliebtesten Lehrberufe für Mädchen - deutlich vor der Augenoptikerin, der Reisebüroassistentin und der Bäckerin.

Um einen akzeptablen Frauenanteil bemüht sich auch die Telekom Austria. So verweist der Leiter für Personalentwicklung, Gottfried Flandorfer-Reinsperger, auf ein Drittel weiblicher Lehrlinge in der "Informations- und Kommunikationstechnik". Zwar würden 50 Prozent anvisiert, sagt Flandorfer - in den 800 Bewerbungen für die offerierten 100 Stellen spiegle sich diese Quote aber noch nicht. Dass man überhaupt vermehrt auf die Lehrlingsausbildung setze - die ab Herbst 270 Auszubildenden sollen bis 2010 auf jährlich 400 steigen -, erklärt Flandorfer mit der " sozialen Verantwortung Österreich gegenüber". Zudem ist er sicher, dass die Loyalität größer sei, "wenn Mitarbeiter im Unternehmen groß werden".

Jahrelang männerlos Dass weibliche Mitarbeiter stärker "um Anerkennung kämpfen müssen" als ihre männlichen Kollegen, davon ist auch Vanessa Steinmetz-Bundy vom Friseurunternehmen Bundy Bundy überzeugt. Unter den momentan 76 Lehrlingen fänden sich "nach einigen Jahren ohne männliche Lehrlinge" wieder vier Burschen. Rückblickend stellt Steinmetz-Bundy fest, dass einige ihrer ehemaligen Lehrmänner "inzwischen Top-Stylisten und Trainer" sind. Dennoch seien Frauen in einer ihrer wirklichen Berufsbastionen noch nicht bedroht. (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.03.2007)

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