Entführter Journalist: "Ich habe um mein Leben gefürchtet"

3. April 2007, 12:15
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Vor zwei Wochen entführter italienischer Journalist Daniele Mastrogiacomo wieder frei

Mit großer Erleichterung wurde am Montag in Italien die Nachricht von der Freilassung des Journalisten Daniele Mastrogiacomo aufgenommen. Der 52-jährige Kriegsberichterstatter der Tageszeitung La Repubblica wurde am Nachmittag aus der Geiselhaft einer Taliban-Gruppe bei Helmand entlassen. Italiens Premier Romano Prodi äußerte auf einer Pressekonferenz seine Genugtuung über die Freilassung und sprach von einer "schwierigen und sehr komplexen Operation".

Daniele Mastrogiacomo war während seiner 15-tägigen Haft mit Ketten an Händen und Füßen gefesselt und mußte täglich den Aufenhaltsort wechseln. Sein afghanischer Fahrer sei vor seinen Augen enthauptet worden, berichtete Mastrogiacomo. Die Taliban hätten ihn für einen "Spion westlicher Mächte" gehalten.

"Es waren schreckliche Momente. Oft brachten sie mich nachts von einem Ort an den anderen. Ich habe oft um mein Leben gebangt" erklärte der Repubblica-Journalist im Krankenhaus der italienischen Hilfsorganisation Emergency in Lashkar Gah im Südosten Afghanistans. Der Journalist befinde sich in guter Verfassung, versicherte Emergency-Chef Gino Strada, der die befreite Geisel in Empfang nahm. Der Chirurg, dessen Organisation in Afghanistan drei Krankenhäuser betreibt, war einer der wichtigsten Vermittler in den Verhandlungen mit den Entführern.

Auch die enge Zusammenarbeit mit dem afghanischen Präsidenten Karzai sei maßgeblich für den Erfolg gewesen, erklärte Prodi. "Es war eine beispielhafte Teamarbeit und unsere Geheimdienste haben sehr professionell gearbeitet", sagte der Premier. Es habe mehrere kritische Augenblicke gegeben. Mastrogiacomos Frau Luisella berichtete, am Sonntag seien drei Ultimaten der Entführer verstrichen, die mit der sofortigen Ermordung der Geisel gedroht hätten.

Jubel herrschte am Montag in der Repubblica-Redaktion. "Das Gespräch mit Daniele war der schönste Anruf meines Lebens", erklärte Chefredakteur Ezio Mauro erleichtert. Noch unbestätigten Meldungen zufolge wurden als Gegenleistung fünf gefangene Taliban freigelassen. "An Geld waren die Entführer nie interessiert", sagte Emergency-Chef Gino Strada. Auch Mastrogiacomos afghanischer Dolmetscher wurde freigelassen. Mastrogiacomo wird am Dienstag nach Kabul zurückkehren und von dort nach Rom weiterfliegen. (Gerhard Mumelter)

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    Nach zwei Wochen ist der entführte italienische Journalist Daniele Mastrogiacomo wieder frei.

  • Gerhard Mumelter lebt seit über zehn Jahren als freier Journalist und Standard-Korrespondent in Rom. Der aus Bozen stammende Publizist war Lehrer, Gastwirt und RAI-Redakteur und ist Autor mehrerer Bücher.
    foto: privat

    Gerhard Mumelter lebt seit über zehn Jahren als freier Journalist und Standard-Korrespondent in Rom. Der aus Bozen stammende Publizist war Lehrer, Gastwirt und RAI-Redakteur und ist Autor mehrerer Bücher.

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