Aus dem Mittelpunkt verrückt

19. März 2007, 14:27
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Dem altehrwürdigen Kärntner Herzogstuhl droht die Versetzung

Klagenfurt - In Kärnten werden offenbar nicht nur Ortstafeln verrückt. Das könnte auch dem Herzogstuhl, dem bedeutendsten Rechtsdenkmal der mittelalterlichen Geschichte Kärntens passieren. Dieser befindet sich in einem kleinen von alten Bäumen gesäumten Hain zwischen Zollfelder Landstraße und der Schnellstraße S37. Auf dem Herzogstuhl fand bis 1651 die Erbhuldigung der Kärntner Herzöge statt, die zuvor auf dem Fürstenstein bei Karnburg (in slowenischer Sprache) inthronisiert wurden.

Schon bisher setzten dem ehrwürdigen Denkmal (das auch beliebter Aufmarschplatz heimattreuer Traditionsverbände ist) tausende Pkws und Schwerlaster täglich arg zu. Nun soll die S37 von der Asfinag zur Autobahn ausgebaut werden. Diese Zukunftsaussichten haben jetzt zahlreiche besorgte Kritiker der geplanten Autobahntrasse aufgeschreckt. "Rettet den Herzogstuhl" lautet die Devise.

Schutz vor Erosion

Vom Kärntner Landeshauptmann abwärts werden Schutzszenarien entworfen, um den steinernen Thron vor Entwürdigung und Erosion zu schützen. Denn eine Unterflurtrasse lehnt die Asfinag aus Kostengründen ab. So wird etwa eine Schutzzone vorgeschlagen, den "historischen Mittelpunkt Kärntens" einige Meter zu versetzen, eine Mauer herumzuziehen, den Boden aufzuschütten oder wie kürzlich der Sankt Veiter Bürgermeister Gerhard Mock meinte, ihn kurzerhand auf den Hauptplatz der alten Herzogsstadt zu verpflanzen.

Beim Bundesdenkmalamt reagiert man ob solcher Ideen entsetzt. "Undenkbar, dass er dort wegkommt", sagt dessen Archäologe Manfred Fuchs. Der Herzogstuhl befinde sich genau über einem römischen Grab (wohl auch um damit die Rechtskontinuität zu wahren). Die Einsetzung des Herzogs unter freiem Himmel sei ein einzigartiger Ritus im mittelalterlichen Europa gewesen, erklärt Fuchs.

"Ignoranz"

Archäologen wundern sich schon lange über die Kärntner "Ignoranz" im Umgang mit dem mittelalterlichen, römischen und antiken Erbe, das unter dem Zollfeld schlummert. Bekanntlich liegt unter Wiesen und Straßenasphalt Virunum, die Provinzhauptstadt Noricums. Erst vor wenigen Jahren erhielt der Herzogstuhl über Initiative des Kärntner Faschingsgeneralintendanten Reinhard Eberhart eine gläserne Schutzhülle.

Bei der Asfinag versteht man die Aufregung nicht. Kärnten habe die Schnellstraße ja selber vor 30 Jahren gebaut und den Herzogstuhl daneben "vergammeln" lassen. 2005 hätten Landeshauptmann Jörg Haider und Straßenbaureferent Gerhard Dörfler einen Vertrag zum Bau einer Kulturraststätte beim Herzogstuhl samt Museum unterschrieben. Auch der Ausbau der S37 sei mit deren Übertragung an die Asfinag über Betreiben Haiders und Infrastrukturministers Hubert Gorbach vereinbart worden. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD print, 17./18.3.2007)

  • Wo die Zukunft des Herzogstuhls liegen könnte, ist derzeitnoch gänzlich offen
    foto: eggenberger

    Wo die Zukunft des Herzogstuhls liegen könnte, ist derzeitnoch gänzlich offen

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