Italiens Regierung befürchtet Kolonialisierung im Telekom-Bereich

22. März 2007, 10:19
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Industrieminister warnt vor massiven Einstieg von ausländischen Unternehmen in die Branche - Russische Sistema verhandelt mit Pirelli über Einstieg bei Telecom Italia-Mutter Olimpia

Italien zittert um seine Telekommunikationsbranche. Nachdem die russische Telekom-Holding Sistema Verhandlungen mit dem italienischen Mischkonzern Pirelli über den Verkauf eines Anteils an der Telecom Italia-Mutter Olimpia bestätigt hat, schlägt der italienische Industrieminister, Pierluigi Bersani, Alarm. "Es ist offenkundig, dass italienische Unternehmen nicht die Gelegenheiten nutzen können, die die Liberalisierung im Telekommunikationsbereich bieten", sagte Industrieminister Pierluigi Bersani.

Furcht

Das Kabinett Prodi befürchtet den massiven Einstieg ausländischer Investoren im Telekom-Bereich. Erst am Montag hatte der Schweizer Telekom-Konzern Swisscom Pläne zur Übernahme des zweitgrößten italienischen Telefon- und Breitband-Anbieters Fastweb für 3,7 Mrd. Euro angekündigt. Swisscom bietet 47 Euro je Fastweb-Aktie. Dies entspricht einer Prämie von 19 Prozent im Vergleich zum Kurs der vergangenen Woche.

"Kontakte zwischen unseren Konzernen sind im Gange"

Die Verhandlungen zwischen Pirelli und Sistema haben in Italien für Aufsehen gesorgt. "Kontakte zwischen unseren Konzernen sind im Gange", bestätigte der Präsident von Sistema, Wladimir Jewtuschenkow, der vom Magazin "Forbes" als elftreichster Mann Russlands eingestuft wird. Sistema hatte kürzlich angekündigt, sein Telekommunikations-Geschäft ausbauen zu wollen, zu dem derzeit der russische Marktführer Mobile TeleSystems und der Festnetz-Anbieter Comstar gehören. Das Unternehmen verhandelt mit zahlreichen Firmen weltweit. Indiskretionen zufolge soll sich Sistema für 14,4 Prozent an der Telecom Italia interessieren. An der Börse hätte das Aktienpaket einen Wert von 4,5 Mrd. Euro.

Nach Angaben italienischer Medien vom Mittwoch könnte auch ein italienisches Bankenbündnis um das römische Geldhaus Capitalia den Olimpia-Anteil übernehmen. Capitalia-Chef Cesare Geronzi sei auf der Suche nach Interessenten, die ihn in seinem Anliegen unterstützen können.

Interesse

Der Pirelli-Konzern hatte kürzlich bestätigt, dass mehrere Parteien Interesse an einem Einstieg bei der Holding Olimpia angemeldet hätten. Über Olimpia kontrolliert die Gesellschaft 18 Prozent des größten Telekommunikationskonzerns Italiens. Telecom Italia hatte erst vor wenigen Tagen den Geschäftsplan bis 2009 präsentiert. Mit Milliardeninvestitionen im Ausland und verstärkten Kooperationen will das Unternehmen die schwierige Lage auf dem Heimatmarkt ausgleichen. So soll nun besonders in Lateinamerika kräftig expandiert werden.(APA)

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