Weltweit mehr Gewalt gegen Menschenrechtsaktivisten

19. März 2007, 12:00
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FIDH: Kolumbien, Nepal und China gefährlichste Länder - Aktionen reichen von Rufmordkampagnen über Folter bis zu Morden

Genf - Der Einsatz von Gewalt gegen Menschenrechtsaktivisten hat im vergangenen Jahr weltweit zugenommen. Aus neunzig Ländern seien insgesamt 1306 Fälle von Unterdrückung oder Angriffen gemeldet worden, wie aus dem am Mittwoch in Genf herausgegebenen Jahresbericht der Internationalen Föderation der Menschenrechtsligen (FIDH) und der Weltorganisation gegen Folter (OMCT) hervorgeht. 2005 war die Zahl bei 1172 gelegen. Weltweit seien im vergangenen Jahr 150 Menschenrechtsaktivisten Opfer körperlicher Gewalt geworden, 63 von ihnen seien gefoltert worden. Mit wenigen Ausnahmen seien die Täter nie zur Rechenschaft gezogen und bestraft worden.

Am gefährlichsten sei die Lage für Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen in Kolumbien. Dort seien im vergangenen Jahr 217 Aktivisten bedroht oder sogar ermordet worden. Von den weltweit registrierten 98 Morden und Mordversuchen seien 30 in dem südamerikanischen Land verübt worden. Auf dem zweiten und dritten Platz folgen Nepal und China mit 103 beziehungsweise 74 Übergriffen.

Die Attacken gegen Menschenrechtsverfechter reichten von Rufmordkampagnen über Festnahmen und Folter bis hin zu Entführungen und Mord, heißt es in dem Bericht. Als Besorgnis erregend bezeichneten die beiden Menschenrechtsorganisationen den spektakulären Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja im Oktober 2006.

Auch das Schicksal des blinden chinesischen Bürgerrechtskämpfers Chen Guangcheng, der wegen seiner Kritik an erzwungenen Abtreibungen seit mehr als vier Jahren im Gefängnis sitzt, wurde hervorgehoben. Der 34-Jährige hatte schwere Missstände bei der Durchsetzung der "Ein-Kind-Politik" am Land enthüllt und damit die kommunistischen Behörden gegen sich aufgebracht.

2005 wollte Chen eine Sammelklage wegen Zwangssterilisationen oder erzwungenen Spätabtreibungen einreichen. Trotz seiner Erblindung hatte sich Chen selbst Rechtskenntnisse beigebracht und Behinderten geholfen, zu ihrem Recht zu kommen. In Anlehnung an die kommunistischen "Barfußärzte", die einst in der Mao-Ära mit einfacher medizinischer Ausbildung durch China zogen, wurde der Aktivist auch "Barfußanwalt" genannt.(APA/AFP)

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