Frankreich: Sterbehilfe-Prozess gegen Ärztin und Krankenschwester

15. März 2007, 11:57
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Debatte um aktive Sterbehilfe neu entfacht

Périgueux - In Südwestfrankreich hat am Montag ein Sterbehilfe-Prozess gegen eine Ärztin und eine Krankenschwester begonnen. Beiden Frauen drohen bis zu 30 Jahre Haft, weil sie im Sommer 2003 einer 65-Jährigen, die mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium ins Koma gefallen war, eine tödliche Spritze verabreicht hatten. Vor dem Schwurgericht Périgueux müssen sich die 34-jährige Medizinerin und die sechs Jahre ältere Krankenschwester wegen Vergiftung oder Beihilfe dazu verantworten. Aktive Sterbehilfe, die so genannte Tötung auf Verlangen, ist in Frankreich verboten. Passive Sterbehilfe ist - allerdings erst seit zwei Jahren - unter Auflagen erlaubt.

Der Prozess wird mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Vergangene Woche hatten 2000 Ärzte und Krankenpfleger in einem Manifest gestanden, todkranken Patienten beim Sterben geholfen zu haben, und gefordert, Sterbehilfe straffrei zu stellen. In dem konkreten Fall hatte das Krankenhaus die Justiz eingeschaltet. Die Angehörigen der Verstorbenen hatten sich gegen eine Strafverfolgung ausgesprochen. Der Sohn hatte sich "angewidert und traurig" darüber gezeigt, dass die beiden Frauen "wie Kriminelle" behandelt würden. Die Sterbehilfe-Organisation "Faut qu'on s'active" erklärte, sie fürchte, an den Angeklagten könne mit einem harten Urteil ein "Exempel" statuiert werden. (APA/AFP)

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