Mobile TV: Optimismus und Skepsis wechseln sich ab

20. März 2007, 15:44
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Goldmedia ortet hohe Nutzerakzeptanz und Zahlungsbereitschaft

Die Verzögerung der Markteinführung von Mobile-TV im DVB-H-Standard um mehr als ein Jahr zerstört bei den Marktforschern von Goldmedia nicht den Optimismus über den zukünftigen Erfolg von Mobile TV. Die von Goldmedia mit Unterstützung von NBC Universal Global Networks durchgeführte Studie "Mobile TV 2012" geht weiterhin von der hohen Attraktivität eines mobilen TV-Angebotes in Deutschland aus. Die Goldmedia-Prognose schätzt, dass bei einem Marktstart Mitte 2008 innerhalb von vier Jahren 8,7 Mio. Nutzer erreicht werden können. Die vergangene Woche veröffentlichten Erhebungen des Marktforschers TNS Infratest zur Nutzung mobiler Inhalte ergeben hingegen ein weniger optimistisches Bild über den Erfolg von Mobile TV. "Unsere Erhebungen haben gezeigt, dass es beim derzeitigen Angebot nicht viel Bedarf an mobilem Fernsehen unter den Deutschen gibt", gibt Sonja Dlugosch, Technologie-Expertin bei TNS Infratest, im pressetext-Gespräch zu bedenken.

Akzeptanz

"Die Attraktivität des Dienstes wird erst tatsächlich messbar werden, wenn das kommerzielle Produkt auch im Markt verfügbar ist. Derzeit gibt es in Deutschland kein Angebot, das die Nutzer ausprobieren könnten", betont Michael Schmid, Goldmedia-Berater und Studienautor, im Gespräch mit pressetext. Feldversuche würden zeigen, dass Testnutzer von Mobile TV eine hohe Nutzerakzeptanz und Zahlungsbereitschaft aufweisen, so die Studie. Die Basis der Goldmedia-Studie sind Erfahrungen kommerzieller internationaler Anbieter sowie Realversuche im In- und Ausland. Dlugosch von TNS Infratest betont, dass insbesondere unübersichtliche Preismodelle die Konsumenten von der Nutzung mobiler Inhalte abhalten würden. "Eine Flatrate wäre nutzungsbezogenen Preismodellen vorzuziehen, denn diese sorgen beim Konsumenten für Unsicherheit".

Hürden

Dem mobilen Fernsehen auf Basis von DVB-H stellen sich darüber hinaus noch andere Hürden in den Weg. Die Studie nennt zunächst das komplizierte Ausschreibungsverfahren für DVB-H, das die Marktentwicklung verzögert. Dabei erschwert die doppelte Vergabe der Frequenzen den Prozess. Die Frequenzen werden einmal durch die Bundesnetzagentur an den Sendernetzbetreiber vergeben und ein weiteres Mal durch die Landesmedienanstalten an Inhalteanbieter. Als problematisch erweist sich auch das derzeitige Medienrecht. Für die Übertragungskapazitäten können sich neben öffentlich-rechtlichem Rundfunk auch alle anderen Inhalteanbieter bewerben, medienrechtlich dürfen aber nur Programmveranstalter zugelassen werden. Für Plattformanbieter und Mobilfunknetzbetreiber gibt es keine rechtliche Basis. Die Herausforderung sei daher, so die Studie, allen Akteuren einen diskriminierungsfreien Zugang zu ermöglichen, was eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrags erfordern würde.

Überzeugung

Goldmedia ist außerdem überzeugt, dass mobiles Fernsehen vor allem mit einem kostenpflichtigen Geschäftsmodell für den Betreiber der Plattform erfolgreich werden kann. "Internationale Erfahrungen zeigen: rein werbefinanzierte Geschäftsmodelle erhöhen zwar die Nachfrage nach Mobile TV bei den Endkunden, machen für einen kommerziellen Betreiber aber höchstens langfristig ökonomisch Sinn", so Schmid. (pte)

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