Microsoft vergibt erstmals Lizenz für Windows Server-Protokolle

28. März 2007, 14:53
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Konzern musste Programm nach Druck der EU-Kommission einrichten - Weitere Kritik, da erster Lizenznehmer Partnerfirma der Redmonder ist

Unter dem Druck möglicher weiterer Geldstrafen hat der Software-Riese Microsoft nun erstmals eine Lizenz im Rahmen des Work Group Server Protocol Program (WSPP vergeben. Das kalifornische Unternehmen Quest erhalte damit Zugang zu den Kommunikationsprotokollen der Server-Betriebssysteme, teilte Microsoft am Donnerstag in Brüssel mit. Der US-Konzern kommt damit einer Auflage der EU-Kommission nach, die Microsoft in der vergangenen Woche mit der Verhängung eines dritten Bußgelds gedroht hatte.

Abmachung

Man verhandle mit weiteren Unternehmen ebenfalls über Lizenzen, erklärte Microsoft weiter. Eine Gruppe von Microsoft-Konkurrenten erklärte jedoch, die Konzession an Quest trage den Forderungen der EU-Kommission nicht ausreichend Rechnung. Schließlich handle es sich bei Quest nicht um einen Wettbewerber, sondern um ein Partnerunternehmen von Microsoft, erklärte das Europäische Komitee für Interoperable Systeme (European Committee for Interoperable Systems - ECIS). ECIS vertritt unter anderem IBM, Nokia, Sun Microsystems und Oracle.

Wettbewerb

Die EU-Kommission warf Microsoft in der vergangenen Woche vor, die von den EU-Wettbewerbshütern vor fast drei Jahren verhängten Auflagen nur unzureichend erfüllt zu haben. Microsoft verlange seinen Konkurrenten für die Bereitstellung der Quell-Codes für bestimmte Software-Schnittstellen überhöhte Preise ab. Die fraglichen Informationen enthielten keine Innovationen, die diese Preise rechtfertigen würden.

Buße

Das angedrohte Bußgeld folgt aus einer Kommissionsentscheidung vom März 2004. Die Brüsseler Behörde verhängte damals eine Rekordstrafe über 497 Millionen Euro gegen Microsoft mit der Begründung, der Software-Riese missbrauche seine marktbeherrschende Stellung. Die Kommission forderte, Microsoft müsse seinen Konkurrenten Einblick in den Quell-Code von Software-Schnittstellen gewähren, damit diese ihre Produkte besser an das Microsoft-Betriebssystem Windows anpassen können. (APA/red)

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