Monika Brusenbauch im Porträt

7. März 2007, 20:23
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Seit 1990 arbeitet sie als Souffleuse am Burgtheater: eine Miniatur zum Internationalen Frauentag

Zeit für ein Monopoly-Spiel mit ihren Söhnen? Muss sein, entschied Monika Brusenbauch. Und fand sie. Morgens um sechs. Vor der Schule. Nachmittags nämlich und abends sitzt sie im Theater. Und souffliert. Seit 1990, als sie - aus einem Kärntner Dorf mit 180 Einwohnern ("mit 80 bin ich verwandt") nach Wien gekommen, geschieden, zwei Kinder zu versorgen - ein Inserat des Burgtheaters im STANDARD gelesen hatte. Und - Wochen später - eine Bewerbung abgab.

Eine Berufswahl, die sie bis heute nachhaltig erheitert. "Es gibt wenige Berufe, in denen man so viel lachen kann. Da sitzen die ganz großen Despoten, und sie reden tagelang über nichts anderes als über Freiheit und Liebe. Ach, das ist ein toller Beruf." Sieben Souffleusen gibt es am Burgtheater. Nach Jahren im Haupthaus und im Akademietheater hat sich Monika Brusenbauch heute auf die dritte Spielstätte, das Kasino, konzentriert. "Und ich lllliebe es." Die Experimente, die jungen Regisseure. "Je erfolgreicher ein Regisseur ist, je mehr er die wichtigen Fragen für sich bereits geklärt hat, umso mehr geht's ihm dann nur mehr um die Ästhetik. Das interessiert mich nicht mehr."

Frau Brusenbauch schaut gerne zu - "Ich bin definitiv eine Voyeurin!" Und einmal ist es auch passiert, dass sie über ihrer eigenen Faszination für das Bühnengeschehen während einer Vorstellung den Einsatz verpasst hat. "Moni, hilf mir!", hieß es, doch "Moni" konnte nicht. "Da bin ich in die Garderobe gekrochen, sage ich euch. Ich werde jetzt noch ganz rot." Und dabei fällt es der lebhaften und voller eindrücklicher Gesten steckenden Frau ganz leicht, regelrecht auf Zuruf Theatertexte zu rezitieren.

"Was wollt ihr hören? Ich habe für jede Lebenslage etwas parat." Wie wäre es mit Weisheiten zum schlechten Wetter? (Draußen schüttet es.) Okay, Frau Brusenbauch konzentriert sich, summt ein wenig und schießt los: "Vorhänge zuziehen, die Landkarten auf den Boden legen und Kakao trinken" (aus Ritter, Dene, Voss).

Kein Wunder, das Stück von Thomas Bernhard hat sie achtzigmal souffliert. Da bleiben Sätze zwangsläufig hängen. Umso mehr, wenn es sich wie hier um eines ihrer Lieblingsstücke handelt.

Ihre beiden Söhne, mittlerweile erwachsen, mussten früher jede Premiere anschauen. "Damit sie wissen, warum ihre Mutter die letzten zwei Wochen nicht ansprechbar war!" Danach wurde einen Tag Schule geschwänzt. "Damit wir die gestohlene Zeit wieder einholen konnten." Heute arbeiten beide ebenfalls am Theater. (M. Affenzeller, C. Niedermeier / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.3.2007)

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    foto: andy urban
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