Van Staa hat "alles gesagt"

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    Empörung bei den Grünen und der SPÖ, Schweigen in der ÖVP: Grund ist die von Herwig van Staa behauptete mögliche NS-Belastung des Vaters von Grünen-Chef Alexander Van der Bellen

    Innsbruck/Wien - Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa hält an den ihm zugetragenen Gerüchten über "nicht geklärten Umstände" der Flucht von Grünen-Chef Alexander Van der Bellens Familie von "Estland nach Tirol" fest. Einzig von dem ihm zugeschriebenen Zitat, wonach Van der Bellens Vater "ein hochrangiger Nazi" gewesen sei, distanziert sich van Staa. Ansonsten sei "alles gesagt", lässt er über seinen Pressesprecher ausrichten und verweigert sich allen Aufforderungen zu einer Entschuldigung. Vorige Woche hatte van Staa Internierungslager für straffällige Asylwerber gefordert und war dafür unter anderem von Van der Bellen scharf kritisiert worden.

    Van der Bellen, Jahrgang 1944, stellt zur Geschichte seiner Familie klar, dass diese dreimal vor der Roten Armee geflüchtet sei: Von Russland nach Estland, 1940 ins Deutsche Reich und 1944 von Wien ins Tiroler Kaunertal. Ein zentrales Motiv dabei sei gewesen, dass Angehörige seiner Mutter vom KGB als estnische Nationalisten verfolgt worden seien. Auf Anfrage erklärt das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, dass über eine NS-Belastung des Vaters von Van der Bellen nichts bekannt sei.

    Mehrere Grün-Politiker haben ÖVP-Chef Wilhelm Molterer zu einer Distanzierung von seinem Tiroler Parteifreund aufgefordert. Die Dritte Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig spricht von einer "Schmutzkübelkampagne", und der Chef der Tiroler Grünen, Georg Willi, wirft van Staa vor, sich "wissentlich auf ein Niveau zu begeben, das wir bisher nur aus der äußersten rechten Ecke kennen".

    In der ÖVP wollte niemand Stellung beziehen, am deutlichsten VP-Seniorenbundchef Andreas Khol gegenüber der Austria Presse Agentur: "Ich sage nichts dazu - und das ist das beste, was man dazu sagen kann." Klar distanziert sich van Staas Koalitionspartner SP-Chef Hannes Gschwentner, der meint, "van Staas Aussagen disqualifizieren sich von selbst."

    Erneuert hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem die Rücktrittsaufforderung an van Staa, nachdem dieser an den Feiern zum 90. Geburtstag des früheren Innsbrucker SP-Vizebürgermeister Ferdinand Obenfeldner teilgenommen hatte. Dieser hatte seine Vergangenheit als Gestapo-Beamter verschleiert und es zum allseits geachteten Kommunalpolitiker gebracht.

    Ferdinand Obenfeldner selbst hält sich nicht für einen Kriegsverbrecher. Er habe seine Gestapo-Vergangenheit nie geleugnet, betonte er in einem Interview in der Freitagausgabe der "Tiroler Tageszeitung". "Ich musste nichts verschleiern, weil ich nichts getan habe," wurde der 90-Jährige zitiert.

    Wie Obenfeldner betonte, sei er weder bei der NSDAP noch bei der SS gewesen. Als er bei der Staatspolizei war, sei der Personalchef zu ihm gekommen und ihn aufgefordert, "irgendwo dazuzugehen". Er habe dann ein Aufnahmeansuchen für die NSDAP und die SS gestellt. Während des Krieges habe er aber nichts mehr davon gehört, ob er aufgenommen wurde oder nicht. Mit dem Ausfüllen der Fragebogen sei seine Parteitätigkeit beendet gewesen. Das alles habe er wahrheitsgemäß bei der Registrierung angegeben und sei deshalb als minderbelastet eingestuft worden. (red/Hannes Schlosser/DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2007)

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