Von Musicals bis Melodramen

7. März 2007, 12:35
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Auswahl der zentralen Werke des "American Dreamers" Vincente Minnelli im März im Filmmuseum

Wien - Den Namen Minnelli kennt man heutzutage zumeist nur noch in Verbindung mit dem Vornamen Liza. Dass die Sängerin und Schauspielerin nicht von ungefähr für einen Musical-Film ("Cabaret") einen Oscar bekam, davon zeugt ihr Elternhaus. Sie ging aus der sechsjährigen Verbindung von Judy Garland und Vincente Minnelli hervor - und dieser Vater war in den 1940er und 50er Jahren berühmt für seine Musicals und Melodramen. Vom Broadway kommend, hatte sich Vincente Minnelli im Studiosystem von Hollywood zum perfekten Autorenfilmer entwickelt. Das Österreichische Filmmuseum widmet der 1986 verstorbenen Kinogröße von 9. bis 31. März eine Retrospektive mit einer Auswahl seiner zentralen Werke.

Als "American Dreamer" bezeichnet der Pressetext des Filmmuseums den US-Regisseur, der mit seinen Filmen wesentlich zum Ruhm des MGM-Studios beigetragen hat. Die Filmschau gebe Einblick in "Vincente Minnellis Traumkosmos: ein Kino, das zwei scheinbar widersprüchliche Leidenschaften - für fantastische "Extravaganzas" und für ganz und gar wirkliche Gefühle - zusammenführt, auf dem Terrain einer neuen, semi-realen Welt." Im Musical-Genre läuteten seine Filme Mitte der 40er Jahre eine neue Ära ein, und als Anfang der 50er Jahre der Scheitelpunkt dieser "Pop-Kino-Ekstase" erreicht war, bildeten seine darauf folgenden düsteren Melodramen den zweiten Höhepunkt in Minnellis Karriere.

Helle und finstere Version

Minnelli trieb in Werken wie "Cabin in the Sky" (1943), "Meet Me in St. Louis" (1944 - mit Judy Garland ein Jahr vor der Hochzeit) oder "The Pirate" (1948) eine nahtlose Verschmelzung von Gesangs- und Tanznummern, Filmsets und Handlung voran - und das mitten im Zweiten Weltkrieg. "Sein lustvoll eklektischer Stil, durchwegs over the top, mit knalligen Farben und melodiösen Kamerabewegungen, zog einen neuen Standard im Musical-Himmel ein", so das Filmmuseum: "Andere Meister des Genres realisierten durchaus individuelle Arbeiten für MGM, gemessen wurden ihre Leistungen aber an der Latte Minnelli."

War Minnelli schließlich mit "An American in Paris", "The Band Wagon" und "Brigadoon" Anfang der 50er scheinbar an seinem Zenit angelangt, verlagerte er umgehend seine Interessen: Das dunkle Melodram übernahm nun die Hauptrolle in seinem Werk. "The Bad and the Beautiful" (1952) und "Two Weeks in Another Town" (1962) sind zwei der ganz großen Selbstbildnisse Hollywoods. Minnellis größte Melodramen aber, seine schmerzhaftesten Visionen von der Macht des Schicksals in einer gottlosen Welt, entstanden erst am Ende des Jahrzehnts: "Some Came Running" (1958) und "Home from the Hill" (1960) sind Variationen über Amerika und die Gewalt - und nicht zuletzt über lässige, verzweifelte, todbringende Männer wie Dean Martin, Frank Sinatra oder Robert Mitchum.

Das überdrehte New-York-Musical "Bells Are Ringing" (1960) und das Hollywood-Psychodrama "Two Weeks in Another Town" (1962) waren schließlich "die helle und finstere Version eines Abschieds", so das Filmmuseum. "Minnellis Zeit als unantastbares Hausgenie der MGM war zu Ende, so wie die klassische Studio-Ära."

"Fragen an die Evolution"

Apropos Ära: Filmmuseums-Gründer Peter Kubelka, der das Haus von Beginn an geprägt hat und auch heute noch mitzuprägen weiß, stellt am 12. März in einer vierstündigen Lecture "Fragen an die Evolution" zur "Zeitlosigkeit der Kunst". Und von 21. bis 30. März werden mehr als 40 avantgardistische Arbeiten aus den 1910er und 20er Jahren - u.a. von Marcel Duchamp, Man Ray, Rene Clair und Luis Bunuel - gezeigt. Die Schau entstand auf Einladung des Museums Moderner Kunst (Mumok) und dessen Neuaufstellung der Klassischen Moderne. (APA)

  • Gene Kelly und Leslie Caron in "An American in Paris"
    foto: filmmuseum

    Gene Kelly und Leslie Caron in "An American in Paris"

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