Donaucity: Hochhaus streck dich

15. Juni 2007, 18:10
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Perrault-Pläne für Wolkenkratzer seien nachträglich "gewachsen" und gravierend verändert worden

Die endgültige Widmung für die Wiener Donaucity kommt Mittwoch in den Planungsausschuss. Die Grünen protestieren: Die von Dominique Perrault geplanten Wolkenkratzer seien nach der öffentlichen Auflage noch nachträglich "gewachsen".

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Die Hochhauslandschaft vor der Wiener UNO-City soll vollendet werden, unter anderem mit dem höchsten Gebäude Österreichs. Am Mittwoch wird der Entwurf der Flächenwidmung dem zuständigen Gemeinderatsausschuss vorgelegt – aber das sorgt auch für Unmut. „Ich werde die Absetzung des Aktes beantragen“, kündigt die Grüne Planungssprecherin Sabine Gretner im STANDARD-Gespräch an.

Gravierende Änderungen des Entwurfs

Denn ihrer Ansicht nach habe es „noch nach der öffentlichen Auflage des Entwurfes gravierende Änderungen gegeben“, insbesondere bei den Vorgaben für die zwei von Dominique Perrault geplanten Hochhäuser. Einerseits seien die Grundflächen beider Türme im Nachhinein vergrößert worden – aber auch die Höhen seien noch adaptiert worden: Der kleinere Turm wuchs in den Plänen von 120–160 auf 130–175 Meter. Und auch das größere Hochhaus streckte sich von 160–200 auf 180–220 Meter Höhe. Außerdem sei die Maximalhöhe eines geplanten Wohnbaus um zehn Meter erhöht worden. „Das sind immerhin fünf beziehungsweise sieben zusätzliche Geschoße.“

Im Büro von Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP) heißt es dazu, es handle sich lediglich um „eine geringfügige Änderung der Volumina innerhalb der Baublöcke“. Im Gegenzug sei dafür an anderer Stelle reduziert worden, das Gesamtvolumen der Vorhaben sei daher gleich geblieben. „Die Pläne entsprechen noch voll dem Wettbewerbsergebnis“.

Dem widerspricht Gretner vehement: „Das ist keine geringfügige Änderung mehr, sondern eine massive Erhöhung der Bruttogeschoßflächen.“ Was sie grundsätzlich verärgert: „Am Projekt wurde ja schon ewig lange geplant – und jetzt muss noch nachträglich nachgebessert werden, ohne dass die Bevölkerung irgendeine Möglichkeit hat, das zu kommentieren.“

Offene Energiefrage

Weiters bedauert die Grünpolitikerin, dass die Energiefrage der Projekte nicht im Zuge der Flächenwidmung abgeklärt wurde: „Auf unsere Anfragen hieß es jeweils, dass die Frage des Energieverbrauchs dann im Zuge der Bauverhandlung geklärt werden solle – aber wenn einmal die Widmung da ist, hat die Stadt keinerlei rechtliche Möglichkeiten mehr in der Hand“, betont Gretner. „Diese Frage sollte bereits vor der Widmung oder im Zuge der Raumverträglichkeitsprüfung geklärt und fixiert werden. Da hat die Stadt noch viel mehr Möglichkeiten.“

Aussicht beeinträchtigt

Aber auch abseits der Hochhäuser fand Gretner einige Kritikpunkte. Etwa beim „Haus der Kulturen“, das vorne an der Uferkante für Veranstaltungen, Diskussionen und universitäre Einrichtungen errichtet werden soll. Dieses Gebäude soll nun „bis zu 70 Meter hoch werden und wird genau in jener Diagonale errichtet, die laut Masterplan als Sichtschneise in Richtung Kahlenberg frei bleiben sollte“. Außerdem werde damit die Aussicht bestehender Wohnbauten deutlich beeinträchtigt. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2007)

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    Die künftige Skyline der "Donaucity": Das linke Hochhaus von Dominique Perrault soll das größte Österreichs werden.

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