Dreiecksbeziehung mit fatalen Folgen: Mordversuche aus rasender Eifersucht

11. März 2007, 17:58
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Ein Salzburger soll gleich zweimal versucht haben, seinen Rivalen zu ermorden

Beziehungsdreieck mit fatalen Folgen: Ein Salzburger soll gleich zweimal versucht haben, seinen Rivalen zu ermorden. Einmal am Untersberg und danach in der Intensivstation. Der Angeklagte spricht von einem Unfall und Gedächtnislücken durch Unterzuckerung. Der Angeklagte wurde zu 20 Jahren Haft wegen dreifachen Mordversuches verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigung meldete Nichtigkeitsbeschwerde an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

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Neben jener Geschichte, die am Dienstag vor einem Salzburger Geschworenengericht – Vorsitzender ist der aus dem Kaprun-Prozess bekannte Richter Manfred Seiss – verhandelt worden ist, sieht jedes Krimidrehbuch ziemlich blass aus.

Laut Anklage soll Anfang Juli vergangenen Jahres ein 46-jähriger Halleiner versucht haben, einen 32-jährigen Grazer bei einer Bergtour am Salzburger Untersberg zu töten. Das Motiv: rasende Eifersucht und unerfüllte Liebe.

Der Halleiner hatte sich bei einer Kur in Villach in die Lebensgefährtin des Steirers verliebt. Nachdem es bereits zuvor mehrere Begegnungen gegeben hatte, sollen dem Halleiner bei einer Bergwanderung zu dritt die Sicherungen völlig durchgebrannt sein: Laut Anklage hatte er seinen Rivalen hinter dem Rücken der Frau vom Dopplersteig in den Rosittengraben gestoßen. Das Opfer überlebte den Anschlag schwer verletzt und wurde in das Unfallkrankenhaus gebracht.

Beatmungsschläuche herausgerissen

Eine Woche später soll der Halleiner dann in die Intensivstation des Spitals eingedrungen sein: Er habe, dem im Koma liegenden Grazer die Beatmungsschläuche herausgerissen und er habe versucht, diesem mit einem Stanleymesser die Kehle durchzuschneiden, meint die Staatsanwaltschaft. Um einen möglichen Zeugen zu eliminieren, habe er einem völlig unbeteiligten Patienten ebenfalls schwere Schnittwunden am Hals zugefügt. Laut Polizei war die Tat geplant: Bei einem Krankenbesuch wenige Tage vor der Attacke soll er sich Ortskenntnisse verschafft haben.

Der Grazer überlebte das Attentat knapp; das zweite Opfer – ein 71-jähriger Oberösterreicher – hat ebenfalls überlebt, ist aber im Dezember vergangenen Jahres verstorben. Ob sein Tod mit dem Messerattentat in einem Zusammenhang steht, muss noch geklärt werden. Strafdrohung für den vorerst einmal angeklagten dreifachen Mordversuch: lebenslange Haft.

In der Version des Angeklagten klingt das schier unglaubliche Berg- und Beziehungsdrama allerdings völlig anders. Er sei zwar eifersüchtig gewesen, nachdem sich das Paar vor seinen Augen geküsst hatte. Den potenziell tödlichen Stoß habe er seinem Rivalen allerdings nicht versetzt, behauptete der Mann. Der Grazer sei gestolpert und dann abgestürzt. Dass der Salzburger dem Schwerverletzten erste Hilfe leistete, sieht Verteidiger Franz Essl als Beweis dafür, dass der Sturz am Dopplersteig eben ein Unfall war.

Zurechnungsfähig

Und warum hat sich der Angeklagte in die Intensivstation des Salzburger Unfallkrankenhauses eingeschlichen? Er habe den Grazer aus dem Koma helfen wollen, an die Geschichte mit dem Messer und den schweren Schnittverletzungen könne er sich aufgrund einer starken Unterzuckerung nicht erinnern. Der Angeklagte ist Diabetiker. Laut Gutachten soll der Mann zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig gewesen sein. (Thomas Neuhold/DER STANDARD; Printausgabe, 7.3.2007)

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