Der Countdown läuft

6. März 2007, 19:03
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Masseverwalter Scherbaum ist zuversichtlich, dass auch der zweite Grazer Bundesliga-Klub trotz knappster Fristen überlebt

Graz - Der Masseverwalter des GAK ist zuversichtlich, trotz eines extrem knappen Zeitbudgets auch beim zweiten ins Trudeln geratenen Grazer Fußball-Bundesligaklub einen Zwangsausgleich durchzubringen. Das betonte Dr. Norbert Scherbaum am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Graz, der auch GAK-Präsident Stephan Sticher bewohnte.

Das besondere Problem beim GAK besteht darin, dass schon kommende Woche der Lizenz-Antrag für die Saison 2007/2008 gestellt werden muss und ein Verein in einer derartigen Zwangslage keine Lizenz erhält. "Uns stehen also große Aufgaben bevor, wir haben eine Menge Arbeit vor uns", sagte Scherbaum, der erst vor kurzem beim Lokalrivalen Sturm Graz einen Zwangsausgleich erfolgreich abgewickelt hat.

Scherbaum nannte am Dienstag die für den GAK-Zwangsausgleich relevanten Zahlen und Termine. Laut dem damit befassten Juristen und Insolvenz-Experten Dr. Alexander Isola beträgt die Gesamtverschuldung 15,5 Mio. Euro, davon werden aber rund zehn Mio. nicht schlagend, weil (teils ehemalige) Vorstandsmitglieder einen Verzicht erklärt haben. Bliebe nach derzeitigen Stand also ein offener Betrag von 5,5 Mio. Euro und damit eine für den Zwangsausgleich benötigte Summe von 1,2 bis 1,3 Mio. Euro. Bis 10. April können aber noch weitere Forderungen eingebracht werden.

Zwangsausgleichs-Tagsatzung am 19. April

Bereits am 19. April soll laut Masseverwalter Scherbaum dann die Zwangsausgleichs-Tagsatzung stattfinden. Das würde dem GAK die Möglichkeit geben, rechtzeitig entschuldet zu sein und weitere Unterlagen für die zweite Instanz des Lizenzierungsverfahren am 10. Mai einzubringen. Scherbaum ist zuversichtlich, trotz der knappen Fristen erfolgreich zu sein und rechnete zudem vor, dass die Gläubiger bei einem Konkurs mit nur 3 bis 5 Prozent, bei einem Zwangsausgleich aber mit rund 20 Prozent ihrer Forderungen zu rechnen hätten.

"Es gab noch nie ein so kurzes Intervall zwischen Antrag und Zwangsausgleich", erklärte Scherbaum und nannte einen sonst üblichen Zeitrahmen von rund drei Monaten. Der GAK hatte erst am 2. März, also vergangenen Freitag, den Konkursantrag eingebracht. Laut Scherbaum habe aber auch der Konkursrichter viel Verständnis für die Situation. "Ich bin also überzeugt, dass wir den Terminplan einhalten werden. Wir kriegen das hin."

Bankgarantie über 650.000 Euro notwendig

Zur Fortführung des laufenden Spielbetriebes ist neben den erwarteten Zuschauer-Einnahmen jedoch auch eine Bankgarantie über 650.000 Euro notwendig. Diese hat der GAK-Vorstand aber bereits für spätestens kommenden Montag zugesagt, wobei laut Sticher ein Großteil der Summe vom früheren GAK-Präsidenten Rudi Roth kommen soll. Damit wäre laut Scherbaum der Spielbetrieb bis zum Saisonende gesichert.

Ähnlich wie bei Sturm soll es auch beim GAK eine derzeit noch anonyme Sponsoren-Gruppe geben, die sich erst nach der Entschuldung zu erkennen geben will. Auch der Verzicht der Vorstände auf die rund zehn Mio. Euro muss laut Scherbaum noch schriftlich bestätigt werden.

Kein Verständnis zeigte Scherbaum für die zuletzt aufgekommene Kritik an der "Rettung" des GAK, verbunden mit der Forderung, dem Klub keine Lizenz zu erteilen. Jeder in Österreich habe das Recht, in Zwangsausgleich zu gehen, betonte Scherbaum. "Ich verstehe also die Aufregung nicht."(APA)

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