Kampf um ein Qualitätskino: Das KIZ in Graz soll weichen

14. März 2007, 21:30
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Seit über 30 Jahren versorgt ein kleines feines Programmkino die Grazer Bevölkerung mit qualitätsvollen Filmen: Jetzt soll es einem modernen Wohn- und Geschäftsgebäude weichen

Die diesjährige Diagonale Ende März soll die letzte sein, die das "Kino im Augarten" bespielt.


Graz – Dass sich an der Nordseite des Grazer Augartens einiges tun wird und bereits getan hat – die wiedererrichtete Synagoge der Stadt und das Kindermuseum befinden sich beide im bzw. in Nachbarschaft zum Park – ist nicht neu. Auch ein Abriss des – wenig auffälligen aber charmanten alten Hauses, in dem das Kino im Augarten (KIZ) und ein Kindergarten untergebracht sind, wird seit Jahren diskutiert. Doch ursprünglich war das Kino mit seinen 151 Sitzen durch den Plan, ein neues, viel größeres Wohn- und Geschäftsgebäude zu errichten, nicht in gefährdet.

Als das Grazer Architekturbüro Love 2000 einen EU-geförderten städtebaulichen Wettbewerb der Stadt Graz gewann, war das Kino nämlich im neuen Bebauungsplan integriert. Doch nach einem weiteren Wettbewerb, den das Büro Ernst Giselbrecht und Partner für sich entschied, liegen nun Pläne vor, nach denen zwar ein Kindergarten, nicht aber ein Kino in dem modernen Bau untergebracht ist. Der neue Bauträger ist die Leobner SOB Immobilien. "Bei der Ausschreibung war das Kino für die SOB kein Thema mehr, warum wissen wir selbst nicht", so Bernhard Scherr, der im Büro Giselbrecht für das Projekt zuständig ist.

Der Betreiber des Kinos, Nikos Grigoriadis, bekam eine Räumungsklage und befindet sich nun in erster Instanz eines Rechtsstreits mit SOB Immobilien, die über eine Tochtergesellschaft auch neue Eigentümerin des Grundstücks ist. Der Kino-Chef will noch lange nicht aufgeben. Ab 20. März wird sein Haus erst einmal wieder voll mit Besuchern des Diagonale-Festivals sein. Breite Unterstützung

"Wir wissen selbst nicht, wie die Sache wirklich steht", erklärt Grigoriadis im Gespräch mit dem Standard, denn einerseits sollen sich "Teile der Grazer Bürokratie nicht positiv" gegenüber dem Programmkino verhalten haben, andererseits gibt es eine breite Unterstützung für das Kino, die ihn überwältigt. Die Klubchefin der Grazer Grünen, Sigi Binder, initiierte im Gemeinderat einen runden Tisch zur Rettung des Kinos, und auf eine Online-Unterschriften Liste wird mittlerweile minütlich und parteiübergreifend zugegriffen. Nach wenigen Tagen hatten Montagnachmittag bereits rund 2500 unter www.sichertdasaugartenkino.at unterschrieben.

Parteiübergreifender Protest ist Grigoriadis wichtig und den dürfte er auch kriegen: "Ich habe gerade erfahren, dass sich heute auch ein Komitee für uns gebildet hat" – und dem sitzen neben Vertretern von KPÖ und Grünen auch Freiheitliche.

Laut Planer Scherr wäre übrigens eine nachträgliche Einplanung des Kinos möglich: "So ein kleines Programmkino könnte schon integriert werden". Warum SOB Immobilien das nicht will, versuchte der Standard bei Firmenchef, Fritz Gande, zu erfragen. Die knappe Antwort: "Dazu gebe ich keinen Kommentar ab." (Colette M. Schmidt / DER STANDARD, Printausgabe, 06.03.2007)

  • Das Grazer Augartenkino soll einem modernen Gebäudekomplex weichen. Tausende kämpfen um den Erhalt.
    foto: gubisch

    Das Grazer Augartenkino soll einem modernen Gebäudekomplex weichen. Tausende kämpfen um den Erhalt.

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