Schablonen

2. März 2007, 17:14
9 Postings

Wie viele Frauen passen denn eigentlich in ihren Bedürfnissen und Ambitionen in eine der monochromen Schablonen von klischeehaften Lebensentwürfen?

Am kommenden Donnerstag ist Weltfrauentag. Ein riesiger Themenbogen für einen einzigen Tag, aufgespannt global zwischen so unterschiedlichen Niveaus wie der Frage nach mehr weiblichen Chefs und dem Kampf gegen die Zwangsprostitution. Ein einziger Merk-Tag im Jahr für Frauen nimmt sich da ziemlich eigenartig aus. Trotzdem: Er wirft konzentriertes Licht auf das, was bis jetzt erreicht ist – kaum eine Frauengeneration vor uns hat sich und die Strukturen so bewegt wie wir.

Absurde Lebensentwürfe

Vielleicht ist es deshalb gar nicht so verwunderlich, dass gerade jetzt die ideologisierte Debatte um glücksproduzierende Hausfrauenehe versus Kinder, Gesellschaft und Erotik zerstörende Karrierefrau neue Höhepunkte erreicht, indem Frauen gegeneinander öffentlich in Stellung getreten sind. Auf öffentlichem Feld werden untergriffig absurd pure Lebensentwürfe gegeneinander geworfen, Frauen als "Emanzen" oder "Mutti" klischeehaft disqualifiziert. Schuldigkeiten für große Zusammenhänge sind schnell gefunden, entweder für den Bankrott des Pensionssystems wegen Kindermangels oder für den Bankrott der familiären Liebe wegen Karriereambitionen – auch Frauen finden die Schuld bei Frauen.

Klischees für alle

Abseits akademischer Diskurse: Wie viele Frauen passen denn eigentlich in ihren Bedürfnissen und Ambitionen lebenslang in eine dieser monochromen Schablonen, über die derzeit so heftig gestritten wird? Vermutlich sehr wenige. Dass Bedürfnisse sich mit Lebensphasen – mit und für Kinder, mit und für den Partner und die Karriere – ändern, wird komplett ignoriert. Die Klischees machen wenige. Betroffen sind aber doch alle. Mit Verunsicherung, vermeintlichem Nichtentsprechen.

Dabei haben die meisten Frauen durch die Lebensphasen ein gemeinsames Ziel, an dem zu arbeiten wirklich lohnt: Infrastrukturen und Versorgungsstrukturen so zu gestalten, dass Frauen wirklich Wahlfreiheit für ihren Lebensentwurf haben. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 3./4.03.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.