Der Arbeitsmarkt erholt sich

10. April 2007, 14:26
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Trotz Widerstands will Bartenstein an seinem Plan, 800 Facharbeiter aus dem Ausland zu holen, festhalten. Ange­worben werden soll zuerst in Bayern und im Osten Deutschlands

Wien – Der Streit um den Plan von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, künftig Fachkräfte aus dem Ausland zur Abschwächung des Facharbeitermangels zu holen, bekommt immer neue Facetten. Im Gespräch mit dem "Standard" sieht etwa der Arbeitsmarktexperte des Instituts für Höhere Studien (IHS), Helmut Hofer, 2kein Problem darin, wenn, wie angekündigt, 800 osteuropäische Schweißer, Dreher und Fräser angeworben würden." Eine langsame Öffnung der Grenzen sei sowieso notwendig, betont der Ökonom.

Hundstorfer dagegen

Währenddessen stemmt sich ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer gegen die angekündigte Teilgewerbe-Verordnung: 2Es kann nicht sein, dass alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unterlaufen werden, nur weil einige Arbeitskräfteüberlasser nach billigen Kräften rufen." Außerdem ist er dagegen, dass 2die Übergangsfristen für den Arbeitsmarkt derart durchlöchert werden."

Herbert Buchinger, Chef des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) versucht die Diskussion mit dem Hinweise zu kalmieren, dass es sowieso "keinen allgemeinen Fachkräftemangel gebe." Freilich gebe es in bestimmten Berufen, wie etwa im Metallbereich, bereits jetzt eine 2Situation der Knappheit". Diese soll mit einer verstärkten Facharbeiterausbildung bekämpft werden. So soll etwa die Zahl der vom AMS geschulten Metallfachkräfte ab Herbst 2007 verdoppelt werden. Weiters würde man zuerst einmal Leute aus dem deutschsprachigen Ausland und erst dann Personal aus Polen, Tschechien und der Slowakei anheuern.

Positive Arbeitsmarktdaten

Bereits jetzt kann sich Bartenstein freilich über positive Arbeitsmarktdaten freuen, nachdem die gute Konjunktur und der milde Winter die Arbeitslosenzahlen im Februar dahinschmelzen ließen. Erstmals ging die Zahl der Arbeitslosen im Februar mit –11,2 Prozent (35.042) sogar zweistellig auf 4,4 Prozent (Eurostat) zurück. Rechnet man die im Jahresvergleich um 2,2 Prozent auf 60.219 angestiegenen Schulungen dazu, waren Ende Februar insgesamt 336.871 Personen ohne Job.

Trotz der derzeit guten Werte ist Österreich freilich noch weit von der, vom Wirtschaftsminister für 2010 angepeilten, Vollbeschäftigung (Arbeitslosenquote unter vier Prozent) entfernt.

Bewegung nach unten

Derzeit gibt es allerdings in allen Branchen und Bundesländern positive Quotenbewegungen nach unten. Spitzenreiter war Oberösterreich (– 20 Prozent) , gefolgt vom Burgenland (–14,9 Prozent) und Salzburg (–13,8). Tirol war mit minus 3,5 Prozent das Schlusslicht. Am deutlichsten ging die Arbeitslosigkeit bei den Bauarbeitern mit –18,5 zurück. Der Rückgang in der Sachgüterzeugung (–15 Prozent) und bei den Dienstleistungen (–9,6 Prozent) spiegelt am besten den gestiegenen Konsum wieder. Bei Männern fiel der Rückgang mit –14,1 Prozent auf 175.697 weit stärker als bei den Frauen mit –5,8 auf 100.955. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2007)

  • Schweißer werden derzeit dringend gesucht.
    foto: standard/newald

    Schweißer werden derzeit dringend gesucht.

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