Prinzip Hoffnung: Ein Oscar für die "West Bank Story"

22. Jänner 2008, 11:44
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Wenn es stimmt, dass Hollywood der Wirklichkeit um einige Jahre voraus ist, dann besteht Hoffnung für den Nahen Osten: Kurzfilm-Oscar für "West Bank Story"

Los Angeles/Jerusalem/Wien – Zwei Fastfood-Stände irgendwo im Westjordanland, beide verkaufen das Gleiche: Falafel und Humus (gebackene Laibchen bzw. Paste aus Kichererbsen). Der Stand "Kosher King" wird von einer jüdischen Familie betrieben, die "Hummus Hut" von einer palästinensischen. Trotz der Feindschaft ihrer Familien verlieben sich David, ein israelischer Soldat, und Fatima, die in der "Hut" kassiert, ineinander. Aber diese Liebe entzweit die Familien noch mehr, und beide Schnellrestaurants liegen in Trümmern. Am Ende aber müssen die Familien doch zusammenhalten – um den unstillbaren Appetit der Einwohner nach Humus zu stillen.

Geschichte mit Happyend

"West Bank Story" heißt die Musical-Komödie, die Montag Nacht den Oscar für den besten Kurzfilm erhielt. Anders als die moderne Romeo-und-Julia-Version "West Side Story", auf die der Titel anspielt, hat die Geschichte ein Happyend. Regisseur und Drehbuch-Koautor Ari Sandel (32) lebt in Los Angeles und engagiert sich politisch unter anderem in der israelischen Bewegung "Frieden jetzt".

Hoffnung geben

Hoffnung zu geben sei das Hauptmotiv für den Film gewesen, sagte Sandel im Gespräch mit der Online-Ausgabe der israelischen Tageszeitung Ha’aretz: "Ich habe Islam und Judaistik im College studiert und viele Nahost-Länder besucht ... Ich habe rund hundert Dokumentationen über den Konflikt gesehen, fast alle waren entweder pro-israelisch oder pro-palästinensisch. Sie waren voll mit Information, interessant und faszinierend, aber fast alle sind deprimierend und bar jeder Hoffnung."

23 Preise

Seit seinem Start vor zwei Jahren wurde der Film bei 111 Festivals gezeigt und gewann 23 Preise. Auf dem Film Festival Dubai baten ihn viele Palästinenser um eine Kopie, um sie ihren Verwandten in den Palästinensergebieten zu zeigen, berichtet Sandel. Dort besteht vorerst freilich wenig Anlass zur Hoffnung. Bei einem Großeinsatz auf der Suche nach Extremisten töteten israelische Soldaten am Montag in Nablus im nördlichen Westjordanland einen Palästinenser. Es galt weiter eine Ausgangssperre. Am Sonntag war nahe Hebron ein jüdischer Siedler erstochen aufgefunden worden.(Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 27.02.2007)

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    foto: empirefilm
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