ORF On-Chef Karl Pachner: "Vorzensur bei den Forenbeiträgen wäre nicht vertretbar"

12. März 2008, 16:18
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"Betriebstemperatur wieder auf das normale Maß herunterzubringen"

Onlinedirektor Thomas Prantner ist mit seinem Versuch gescheitert, ORF-On-Chef Franz Manola vorzeitig abzuberufen. Karl Pachner, ab April Manolas Nachfolger an der Spitze des erfolgreichsten österreichischen Medienportals im Netz, lässt im Chat anklingen, er wolle den Manola-Kurs inhaltlich fortsetzen.

"Nicht Marketingplattform"

ORF.at sei "zunächst ein Nachrichtenangebot und nicht die Marketingplattform des ORF-Fernsehens. Wenn man sich die Zugriffszahlen ansieht, stellt man fest, dass das Publikum genau diese Nachrichten abfragt, aber relativ wenig Interesse an anderen Angeboten hat. Es gibt keinen Anlass, daran etwas zu ändern, zumal von ORF.at in wachsendem Ausmaß verlangt wird, zur Gesamtfinanzierung des Konzerns beizutragen."

Heikle Rechtsfragen

Fernsehprogramm zum Abruf wie bei der BBC werde sich "großflächig noch lange hinziehen", solche Angebote ließen sich nur "sukzessive" ausweiten. Rechtsfragen seien da heikel, der ORF verdiene zudem mit dem Weiterverkauf an Dritte. "Die Stärke von Online ist das Textbasierende, und der große Zuspruch verdankt sich der Konzentration auf diesen Sachverhalt."

"Kein Platz für persönliche Konflikte"

Als neuer On-Chef will Pachner "den Zusammenhalt des Teams stärken, die Gesprächsfähigkeit verbessern und denjenigen den Rücken stärken, die am Abgang von Franz Manola leiden". Nachsatz: "Kein Platz für persönliche Konflikte." Nun gelte es, "die Betriebstemperatur aller Beteiligten wieder auf das normale Maß herunterzubringen".

Dienstag beendete der ORF eine Untersuchung gegen Manola, die Prantner betrieben hatte: "kein Grund für weitergehende Maßnahmen" gegen Manola. ORF-General Alexander Wrabetz wünscht sich ihn als Strategen für hochauflösendes TV. (fid, APA/DER STANDARD; Printausgabe, 28.2.2007)

Moderatorin: Wir begrüßen Herrn Pachner zum Chat und freuen uns auf viele interessante Fragen!

Karl Pachner: Schönen Mittag!

Etat: UserInnenfrage per E-Mail: warum musste franz manola den posten räumen?

Karl Pachner: das ist eine angelegenheit, die ich hier nicht öffentlich eröftern möchte, sondern die nach innen gehört. wichtig ist es, jetzt die betriebstemperatur aller beteiligten wieder auf das normale maß herunterzubringen. nachsatz: ich wurde vor wenigen minuten vom generaldirektor informiert, dass die ruhendstellung aufgehoben wurde

Etat: UserInnenfrage per E-Mail: warum haben Sie sich beworben?

Karl Pachner: weil ich mich in der lage sehe, diese schwierige übergangszeit nach dem rückzug von franz manola erfolgreich zu bewältigen, jedenfalls besser, als es viele andere gekonnt häten. ich hoffe, dass ich recht behalte :-)

Etat: UserInnenfrage per E-Mail: was werden ihre ersten maßnahmen als neuer orf on-chef sein?

Karl Pachner: da gibt es keine unmittelbare liste von abzuhakenden dingen. das prioritäre ziel ist die wiederherstellung des inneren zusammenhalts, damit die orf.at-redaktionweiterhin das leisten kann, was das publikum von uns allen erwartet, nämlich ein top-produkt abliefern

Elvira Müller #1: Wie ist ihr Verhältnis zu Thomas Prantner als Onlinedirektor ?

Karl Pachner: professionell und korrekt. prantner und ich sind unterschiedliche persönlichkeiten mit unterschiedlichen stärke-/schwäche-profilen, so kann jeder unterschiedliche skills einbringen

martonh: Wie sehen sie die Zukunft von Orf-on? Wird es Veränderungen geben?

Karl Pachner: natürlich wird es veränderungen geben, denn stillstand wäre in einem so schnellen business ein nachteil. aber die veränderungen sind behutsam und mit augenmerk durchzuführen und müssen von unserem treuen publikum mitgetragen werden

Rafaela: Was werden Ihre ersten Maßnahmen als neuer Online-Direktor sein?

Karl Pachner: keine ahnung, dieser frage habe ich mich noch nicht gestelt, denn es amtiert derzeit ja ein online-direktor, nämlich thomas prantner, und daher steht diese funktion nicht zur verfügung :-)

Etat: UserInnenfrage per E-Mail: welche websiten besuchen sie regelmäßig?

Karl Pachner: viele. wenn es auf die frage hinauslaufen sollte, welche mir besonders gefallen, dann muss ich die fade antwort geben: orf.at. schon aus konkurrenzbeobachtungsgründen surfe ich in vielen gewässern. wirklich umwerfen tut mich da wenig. aber ich habe große sympathie für derstandard.at

Etat: UserInnenfrage per Mail: wann kommt download der orf-programme über eine woche wie bei bbc?

Karl Pachner: das wird sich großflächig noch lange hinziehen. was wir schon jetzt dosiert anbieten sind streamings, und es wird eine sukzessive ausweitung solcher angebote geben. allerdings sind in diesem zusammenhang rechtefragen heikel und weiters ist zu beobachten, dass unser sales bestimmte inhalte ja auch an dritte verkauft, um damit geld fürs programm zu verdienen. daher sind wir in den möglichkeiten limitiert. downloads würden die lizenzrechtliche problematik noch weiter erhöhen. da ist die bbc, sowohl den ressourcen nach als auch der strategie nach, anders aufgestellt.

Etat: UserInnenfrage per Mail: auf zdf wird z.b. die serie kdd – kriminaldauerdienst einen tag vor tv-ausstrahlung bereits im internet zu sehen. Wie sehen sie hier die entwicklung? Sind solche modelle auch für den orf angedacht?

Karl Pachner: ehrlich gesagt nein. ich sehe keinen logischen sinn darin, das hauptprodukt von fernsehen, nämlich exklusive eigenproduktionen, durch vorab-downloads zu entwerten. da der orf aus der bereitstellung von inhalten, die aus gebührengeld finanziert wurden, keine weiteren entgelte von den gebührenzahlern verlangen darf (allenfalls eine technische bereitstellungsgebühr), würden wir mit solch einer strategie nur die tv-ratings drücken und hätten keine gegenfinanzierung

Rafaela: sorry, als orf-on chef: was werden die ersten maßnahmen sein?

Karl Pachner: wie schon angeführt: den zusammenhalt des teams stärken, die gesprächsfähigkeit intern und nach außen verbessern und denjenigen den rücken stärken, die am bevorstehenden abgang von franz manola leiden. wir sind teil eines großen unternehmens und kein platz, an dem persönliche konflikte ausgetragen werden

hikmet: Wie ist die Struktur von ORF Online - bzw. wo liegt der Unterschied zur Direktion neue Medien? Gehören diese zusammen?

Karl Pachner: direktion und tochtergesellschaft gehören organisatorisch zusammen - sie sind in einem budget-regelkreis zusammengefasst - und sind gleichzeitig zwei rechtlich getrennte umternehmenskörper. das bedeutet, dass es im alltag ein diffizieles austarieren dieser beiden sachverhalte braucht. klar ist, dass ein fortwährendes gegeneinander von direktion und gmbh nicht möglich ist, weil das zulasten des publikums gehen würde und zulasten des wirtschaftlichen erfolgs. vielmehr braucht es ein fruchtbringendes zusammenraufen auf eine gemeinsame linie. das wissen alle beteiligten, mich eingeschlossen. meine aufgabe ist es, dazu einen wichtigen positiven beitrag zu leisten

Mr. Anderson: Wie groß ist eigentlich das Team von ORF On?

Karl Pachner: in der tochtergesellschaft sind etwa 80 personen zusammengefasst, unter anderem auch teile des orf teletexts und die neuen mhp-dienste sowie vermarkterInnen. in summe ist der größere teil der belegschaft orf.at zuzurechnen

Oma Oma: Orfon als eigenständiges Medium oder Orfon als Begleitmedium zum gesamten ORF-Angebot? Wie sehen Sie das?

Karl Pachner: das ist gesetzlich vorgegeben. orf.at hat einen im orf-gesetz definierten inhaltlichen auftrag. orf.at kann kein begleitmedium sein, wie es tagesschau.de oder zdf.de sind. es hat eine eigene mediale verfasstheit, eine spezifische mediale logik und dafür auch ein eigenes publikum gewonnen und gebunden. daran wird nicht gerüttelt, im sinne des publikums und des wirtschaftlichen ziels.

Alexander Berger: was ist die Existenzberechtigung for orf.at? Ist es nicht bedenklich, dass die quasi Monopolstellung im TV dazu genutz wird, eine solche Dominanz auch im Internet zu ermöglichen? Sollte da der Regulator nicht eingreifen?

Karl Pachner: ich bin in dieser frage nicht neutral, sondern partei. meiner meinung nach ist es gerechtfertigt, dass der orf gebührenmittel für seine internet-aktivitäten einsetzt. in zwei punkten (es gäbe viel mehr davon) zusammengefasst besteht diese rechtfertigung darin, dass eine untersagung de facto einem entwicklungsverbot des orf in einer sich ständig wandelnden medienlandschaft gleichkäme und damit ein allmähliches absterben des öffentlich-rechtlichen angebots einher ginge; zweitens muss schon gesagt werden, dass rein kommerziell finanziert ein derarig vollständiges, breites angebot wie es orf.at darstellt, am kleinen österreichischen markt sonst nicht darstellbar wäre, jedenfalls nicht unter der - aus meiner sicht medien- und demokratiepolitischen - voraussetzung eines barriere- und damit kostenfreien zugangs

Etat: UserInnenfrage per E-Mail: postings: wie geht hier der orf vor? wie viele forenbeiträge werden gelöscht?

Karl Pachner: ich habe dazu (noch) keine statistiken. es wird natürlich vorgangen, wenn postings gegen das orf-gesetz verstossen, andere gesetze brechen oder die menschenwürde berühren. dazu bekenne ich mich ausdrücklich

Oma Oma: Die Forenbeiträge auf ORFon sind oft sehr grauslich, haben Sie da irgenwelche Änderungen der Strategie vor?

Karl Pachner: wir können da wenig mehr machen als an die vernunft der teilnehmer appellieren und mißbräuche durch löschung abstellen. alles andere, etwa vorzensur, wäre nicht vertretbar. in der regel werden aber jene teilnehmer, die sich daneben benehmen, von den übrigen forenteilnehmern recht direkt darauf hingewiesen

HediWari: warum kann man auf orf.at zu "tragischen ereignissen" nicht posten, während das auf seiten wie der des standard möglich ist?

Karl Pachner: weil wir mehrfach gesehen haben, dass in solchen fällen besonders unsensible menschen den drang verspüren, auf der menschenwürde dritter zu tanzen. die policy des standards will ich hier nicht kommentieren

boeser_mann: welche qualifikation müssen die Moderatoren/("Zensoren") der orf.on Foren vorweisen. Sind dies Studenten die sich was nebenher verdienen oder sind dies fulltimejobs?

Karl Pachner: das sind hochqualifizierte menschen, die wissen, was sie tun

Etat: UserInnenfrage per Mail: orf on soll gesellschaftsrechtlich umgegründet werden, hat der stiftungsrat beschlossen: können Sie erklären, was das bedeutet und wozu das gut ist?

Karl Pachner: ja, die änderung der rechtsform wird an die konzernübliche praxis angepasst. alle übrigen töchter sind als gesmb h & co kg strukturiert, nur Online nicht, weil diese gründung lange vor den übrigen austöchterungen stattgefunden hat

Mr. Anderson: Worin sehen Sie die wesentlichen Unterschiede im Angebot von orf.at und derStandard.at?

Karl Pachner: oh gott, das kostet jetzt womöglich die restliche chat-zeit... :-) wollen die übrigen forum-teilnehmer das?

hikmet: Immer mehr Zeitungen werden zu direkter Konkurrenz für den ORF, eg. derstandard.at bietet nun auch Videos an. Wie wird ORF-On darauf regieren? (zurzeit scheint noch keine Strategie erkennbar)

Karl Pachner: erstens: es gibt auch bei orf.at videos, zb die zib2. das angebot wird in den nächsten jahren mit sicherheit sanft erweitert. warum die anderen medien das tun, verstehe ich nicht, sie werden ihre beweggründe dafür haben. erfolgskritisch sind videos bis dato nicht, aber dafür ein kostenfaktor. ich behaupte, dass, wer fernsehen will, den fernseher anschaltet. die stärke von online ist eben das textbasierende, und der große zuspruch, den orf.at im publikum genießt, verdankt sich der site auch der konzentration auf diesen sachverhalt.

ispo: wie stehen sie zu dem thema iptv? kooperation mit alternativen telcos, urheberrecht bei time shift usw.

Karl Pachner: bei time-shift sind wir ganz streng, da heißt es njet. ich habe in meiner bisherigen funktion wesentlich zu dieser linie beigetragen. nei iptv müsste ich nachfragen, welche definition "ispo" meint...

Daniel Tiefnig: Ich habe immer wieder Probleme auf orf.at die Informationen zu finden die ich suche. (ausnahme: FuZo) Das webinterface ist etwas unübersichtlich, und Berichte verschwinden sehr schnell wieder. Was genau gefällt Ihnen so an orf.at, was Sie z.B. auf d

Karl Pachner: to be honest: das lese ich zum ersten mal, dass orf.at nicht übersichtlich wäre. vielmehr sehe ich die übersichtlichkeit und leichte auffindbarkeit der zentralen content-features als einen unserer usps an. die frage stellt sich nicht, was ich auf derstandard.at vermisse. hinter den unterschieden stehen unterschiedliche konzeptionen, das ist zu würdigen. und beim standard gefällt mir insbesondere das angebot bei "etat". ich hoffe, darüber freut sich auch kollege fidler! :-)

Oma Oma: Eigentlich ist es ein Wunder, dass ORFon nicht erfolgreicher ist, bei der medialen Präsenz in Radio und Fernsehen. In jeder Sendung wird zumindest einmal auf orf.at hingewiesen. Gibt es da keine Beschwerden der Mitbewerber?

Karl Pachner: die querverweise erfolgen im rahmen der rechtlichen grenzen und keinen milimeter darüber hinaus. ich fände es seltsam, wenn im abspann einer tv-sendung nicht auf die dazugehörigen informationen im netz verwiesen werden dürfte oder es einem ö3-moderator verwehrt wäre, auf zusatzinformationen oder andere angebote im eigenen webangebot hinzuweisen

Rafaela: wie ist das verhältnis agentur-/eigenrecherchierte geschichten auf orf-on?

Karl Pachner: das könnte möglicherweise die falsche frage sein, wenn ich so salopp formulieren darf. die besondere leistung von orf.at besteht ja nicht darin, 70 prozent der eigenen berichte selbst recherchiert zu haben - eine leistung, die auch keine tageszeitung zustandebrächte -, sondern in der intelligenten vernetzung von aktuellen berichten, bildmaterial, anderen berichten, die hintergrundinformation liefern, um damit das aktuelle ereignis einordnen zu können, und in der redaktionellen kernleistung der gewichtung. aber zurück zur (letztlich doch wichtigen) frage: ich denke, dass wir in den nächsten jahren auch den eigen recherchierten anteil etwas ausbauen sollten, soweit es unsere ressourcen zulassen

Rudi P.: Was mich am meisten stoert bei orf.at ist, dass immer mehr plakative Pseude-Shocker auf die Titelseite kommen. Wirkliche Nachrichten werden immer weniger... Komplizierte Themen werden schoen mundgerecht abgehandelt, sodass der Leser nicht mehr als 5

Karl Pachner: eines der probleme eines massenmediums ist es, dass man, indem man möglichst viele nutzer erreichen will, auch immer solche darunter findet, denen der anspruch zu niedrig ist. damit muss man leben, wenn nicht, sollte man zu einem spartenangebot gehen. ich billige jedem/jeder zu, qualitative kritik an orf.at zu äußern, aber ich glaube, dass das produkt in summe zum qualitätsvollsten gehört, was in österreich angeboten wird und jedenfalls auch unter den orf-angeboten herausragt. es wäre aber falsch und elitär, informationsinteresse im publikum nach vermeintlich leichter kost zu ignorieren, zumal es unsere redakteurInnen schaffen, auch solche inhalte in einen breiteren zusammenhang zu stellen

hikmet: Im Gegensatz zu vielen anderen Nachrichtenangeboten im Internet scheint OrfOn nach wie vor eine Strategie der zu verfolgen, die Amnesie unterstützt - warum gibt es kein Archiv für Nachrichtenbeiträge?

Karl Pachner: weil dieses medium, um ein früheres zitat von franz manola zu verwenden, "now" ist. es ist jetztzeitig. dort, wo das gedächtnis erforderlich ist, um einen sachverhalt zu verstehen, wird dies auch eingebaut und auf früheres material zurückgegriffen. es hat uns bisher auch noch keine lawine aus dem publikum überrollt, die ein breites archiv gefordert hätte

superficial #1: Wird sich die Zusammenarbeit zwischen der ZiB-Redaktion und der Online-Redaktion verändern, und wird die Internetpräsenz der Fernsehnachrichten(redakteure) erweitert

Karl Pachner: wir sind auf einem guten weg, die interne zusammenarbeit zwischen den einzelnen orf-dienststellen zu vertiefen. aber die internetpräsenz der fernsehnachrichten spricht ein zentrales mißverständnis an. fernsehnachrichten gehören ins fernsehen, ins internet gehören internetnachrichten. übrigens kann man das top-personal des fernsehens täglich im fernsehen sehen, ich weiß daher nicht, was der besondere nutzen wäre, dann auch noch ihre bilder ins netz zu stellen

Alexander Berger: Sie sagen oben, dass "rein kommerziell finanziert ein derarig vollständiges, breites angebot wie es orf.at darstellt, am kleinen österreichischen markt sonst nicht darstellbar wäre". Dies stimmt allerdings nochmehr, nachdem orf.at dem Markt User und

Karl Pachner: erstens ist es gesetzlich abgesichert, dass der orf sein gesamtangebot durch gebührengelder einerseits und durch werbefinanzierung andererseits tragen darf. dieses prinzip ist gesellschaftlicher konsens. und zweitens hat schon das beispiel atv gezeigt, dass eine einschränkung der refinanzierungsmöglichkeiten des orf, intendiert, um inländische anbieter zu fördern, tatsächlich nur internationalen medienkonzernen genutzt hat und das inländische angebot deswegen nicht vertieft oder verbreitert worden wäre. daher geht diese argumentation ins leere. man muss sich die frage stellen, ob man ein funktionierendes österreichisches anegbot, das vom publikum angenommen wird, beschädigen soll, um den großen internationalen medienhäusern den marktzutritt zu erleichtern. ich halte das für keine sonderlich intelligente vorgehensweise, und gottseidank auch der gesetzgeber nicht

killerbarbie: orf on soll unter franz manola personell ziemliche einbußen hinnehmen haben müssen. wird es da aufstockungen geben und wer wird die redaktionelle hoheit übernehmen? ist daran gedacht, so etwas wie einen chefredakteur zu istallieren (so es einen solc

Karl Pachner: tatsache ist, dass orf.at mit einem relativ geringen personalstand ein ziemlich breites und erfolgreiches angebot fährt, das vieles abdeckt, aber durchaus auch lücken hat. dessen sind wir uns alle bewußt. ich definiere eine meiner aufgaben auch so, dass wir das unternehmen und das angebot aus der gründungsphase in den nächsten schritt führen müssen. das muss auch mit einer entsprechenden personalpolitik einhergehen. es ist klar, dass dem team in seiner gegenwärtigen größe keine wesentlichen zusatzaufgaben zugemutet werden können. zweitens: es gibt einen redaktionellen leiter, den seit jahren sehr erfolgreichen gerald heidegger

Eurozentrist: sehr geehrter herr pachner, warum sieht orf.at (Homepage) lediglich aus wie eine (im vergleich zu anderen äusserst magere) nachrichtenseite, obwohl der ORF doch viel mehr ist als nachrichten? und wollen sie daran was ändern? (an der qualität des new

Karl Pachner: weil orf.at zunächst ein nachrichtenangebot ist und nicht die marketingplattform des orf-fernsehens. wenn man sich die zugriffszahlen ansieht, stellt man fest, dass das publikum genau diese nachrichten abfragt, aber relativ wenig interesse an anderen angeboten hat. das kann an vielem liegen. klar ist, dass der nüchterne auftritt (das ist die andere seite der übersichtlichkeit) einer eigenen logik folgt, genau jener logik, die uns erfolgreich macht. die "blaue" seite entspricht auch wirtschaftlich der zib oder dem ö3-wecker im radio: ein wesentlicher teil unserer werbeeinnahmen wird dort generiert. es gibt daher keinen anlass, daran etwas zu ändern, zumal von orf.at in wachsendem ausmaß verlangt wird, zur gesamtfinanzierung des konzerns beizutragen.

klau dio: "stärke von online ist eben das textbasierende" - spricht da nicht der erfolg von angeboten wie youtube dagegen?

Karl Pachner: youtube ist ein vollkommen anderes modell und nicht vergleichbar. warten wir mal ab, wie lange dergleichen noch funktioniert, wenn aus kommerziellen gründen mal geld eingehoben werden muss, um die infrastrukturkosten zu tragen. bisher ist alles, was mit web2.0 zu tun hat, nämlich nur eine geld verzehrende blase

hikmet: Warum bietet Orf(ON) keine Volontariate an, wie das in Deutschland ARD, ZDF und die Dritten (im Rundfunk wie Online) tun?

Karl Pachner: gute anregung, ich sollte das ernsthaft überlegen! :-)

Daniel Tiefnig: Sehen Sie durch die Zensur von Forenbeiträgen nicht auch die freie Meinungsäußerung gefährdet?

Karl Pachner: nein, weil die meinungsfreiheit in jeder gesellschaft dort eingeschränkt ist, wo sie durch gesetze begrenzt ist und durch die menschenwürde

Oma Oma: Was hat ORFon 2006 Umsatz gemacht? Wie stehen Sie den Online-Werbemarkt?

Karl Pachner: die letztjährigen daten sind noch nicht testiert, also will ich nicht darüber sprechen, aber die gesellschaft hat (einschließlich teletext) sehr gut abgeschlossen und umsatzmäßig einen sprung vollzogen. der werbemarkt ist in guter verfassung, zeigt schöne zuwachsraten und bietet auch viel platz für unsere mitbewerber, sodass wir derzeit keinen verteilungskampf haben

reservebuddha: Als regelmässiger User der Foren bin ich seit den ersten Gerüchten einer Ablösung Franz Manolas besorgt um die Existenz derselben bzw. die Fortführung des bisher so erfolgreichen Konzepts. Können Sie eine Aussage darüber machen, ob das derzeit zieml

Karl Pachner: ich sehe derzeit keinen anlass, daran etwas zu ändern

Enduser: Sie standen schon seit Wochen als neuer Chef fest. Ist dies für Sie eine faire Auswahl / den anderen Bewerbern gegenüber ?

Karl Pachner: das ist nicht korrekt, ich wurde erst am tag vor der bekanntgabe eingeladen, diese aufgabe zu übernehmen. die fairness besteht darin, dass jede/r weitere bewerber/in bis zur stiftungsratssitzung gelegenheit gehabt hätte, die räte zu überzeugen. ich weiß, dass es generaldirektor wrabetz mit dieser ansage ernst war.

Etat: UserInnenfrage per E-Mail: wie finden sie derStandard.at? verbesserungsvorschläge?

Karl Pachner: jedes medienprodukt kann verbessert werden. derstandard.at ist ein führendes angebot, die kollegInnen dort arbeiten sehr gut. ich bin kein schiedsrichter und auch nicht vermessen, den kollegInnen dort ratschläge zu geben. dass ich den site durchaus gerne nutze, habe ich, glaube ich, schon erwähnt... :-)

Moderator-Message: derStandard.at bedankt sich bei Herrn Pachner für das Kommen und bei den UserInnen für die vielen Fragen. Einen angenehmen Tag noch!

Moderator: derStandard.at bedankt sich bei Herrn Pachner für das Kommen und bei den UserInnen für die vielen Fragen. Einen angenehmen Tag noch!

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