Trends in den Career-Centern

3. März 2008, 08:24
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Erhebungen zufolge haben Akademiker am Arbeitsmarkt grundsätzlich gute Chancen - Experten nahmen zu den Trends für Absolventen Stellung

Nicht wenig Experten raten davon ab, den Berufs- oder Studienwunsch zu stark an die Nachfrage des aktuellen Arbeitsmarktes anzulehnen. Sicher muss das Fach, das man für sich wählt, seinen Neigungen entsprechen - es kann aber nicht schaden zu wissen, wo man als "fertig Ausgebildeter" am Markt stehen wird oder stehen könnte.

Laut der aktuellen Studie des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS, Abteilung Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation) sowie den Instituten abif und SORA mit dem Titel "Berufseinstieg, Joberfahrungen und Beschäftigungschancen von Uni-AbsolventInnen in der Privatwirtschaft" seien vor allem fünf Trends am Arbeitsmarkt erkennbar:

  • Höherqualifizierung im Beschäftigungssystem. Die Anzahl der berufstätigen Akademiker habe sich in zwanzig Jahren verdoppelt - der Trend der Höherqualifizierung werde sich auch vor dem Hintergrund einer Expansion der "sekundären Dienstleistungstätigkeit" (Forschung und Entwicklung, et. al.) fortsetzen. Davon werden besonders Uni- und FH-Absolventen profitieren, so die Studie.

 

  • Lebenslanges Lernen. Um die Kenntnisse und Fähigkeiten stetig erweitern zu können, werde die Bereitschaft, sich außerhalb der Arbeitszeit selbstständig fortzubilden, an Bedeutung gewinnen.
  • Der berufliche Einsatz ist mit dem Studienabschluss noch nicht festgelegt. In Berufsfeldern, für die es keine scharf konturierten Arbeitsmärkte gebe - etwa in den Geistes- und Sozialwissenschaften -, sei die Frage nach der beruflichen Tätigkeit nach Abschluss des Studium noch eine offene. Häufig ergeben sich daraus "Neukompositionen" von Tätigkeitsfeldern.
  • Aus Beschäftigungsproblemen folgt für AkademikerInnen nicht zwingend Arbeitslosigkeit. In Zeiten "konjunktureller Abschwächungen", so die Studie, haben Akademiker eine Vielzahl von Überbrückungsmöglichkeiten, um einer Arbeitslosigkeit zu entgehen (Promotion, Werk- und Honorartätigkeit et. al.). Die Zunahme an prekären Arbeitsverhältnissen wird in der Studie in einem gesonderten Punkt abgehandelt (Anm.).
  • Tendenzieller Rückgang so genannter Normalarbeitsverhältnisse. Die Fähigkeit des Selbstmanagements gewinne an Bedeutung und sei teilweise existenzielle Notwendigkeit einer kontinuierlichen "Employability".

Grundsätzlich gelte, dass trotz steigender Arbeitslosenquote unter Akademikern - auch der so genannten "versteckten Arbeitslosigkeit", etwa durch Erwerbslosigkeit während des Studiums und daher fehlendem Anspruch auf Arbeitslosengeld nach Abschluss (diese Fälle scheinen nicht in der Arbeitslosenstatistik auf) - die Chance, arbeitslos zu werden, mit steigendem Qualifikationsniveau abnehme, so die Studie.

Angebot und Nachfrage

Uniport, das Karriereservice der Universität Wien, hat die durchschnittliche Dauer zwischen Studienabschluss und erster Anstellung im vergangenen Jahr erhoben. Josef Lentsch, Geschäftsführer Uniport: "Am schnellsten finden derzeit AbsolventInnen naturwissenschaftlicher Richtungen einen Job." Vier bis fünfeinhalb Monate sind es laut Uniport-Studie. Fünf bis fünfeinhalb Monate müssen Juristen, Betriebswirte und Informatiker auf ihren ersten Job warten. Sechs bis acht Monate seien es bei Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaftern. "Nicht studienbezogene und prekäre Arbeitsverhältnisse sind hier deutlich häufiger als in den ersten beiden Gruppen anzutreffen", so Lentsch.

Rainer Wimmer, Geschäftsführer des Career-Centers der TU Wien, bestätigt Lentschs Ausführungen. Er zählt von seiner bezüglich Arbeitsmarkt "Most Wanted"-Liste Absolventen der Bereiche Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau auf. Und die Absolventen der Chemie, der Technischen Chemie und der Verfahrenstechnik, werden auch aufgrund der überschaubaren Anzahl vom Arbeitsmarkt "förmlich inhaliert", sagt er.

Auch wurden die Techniker verstärkt seitens Unternehmens- und Strategieberatungen nachgefragt, so Wimmer. Zum fundierten technischen Fach- werde weiterhin wirtschaftliches Grundwissen als Kombination gefordert. Wimmer: "Die Begründung dafür findet sich in der branchenübergreifenden Nachfrage an Positionen im Bereich Projektmanagement und der oft damit verbundenen Budgetverantwortung."

Vertriebsleute gesucht

Die zurzeit am schwersten zu besetzenden Positionen - so der grundsätzliche Tenor - seien jene des Vertriebs. Wolfgang Pöllauer vom Jobservice der Alpen-Adria Universität Klagenfurt sieht diese Problematik weniger dahin gehend, "dass dafür keine eigene Spezialisierung angeboten wird". Das Problem liege eher daran, so Pöllauer, "dass oft hohe Anforderungen - wie langjährige spezifische Berufspraxis - gestellt werden, die junge Abgänger und Abgängerinnen der Universität kaum erfüllen können".

Kathrin Rapp, Leiterin des Career-Centers der Uni Graz, ortet hier einen, wie sie sagt, einen "Work-Life-Balance-Trend unserer Freizeitgesellschaft". Wenige Absolventen scheinen dem Vertrieb zugetan zu sein, sagt sie. Stress, die dafür notwendige Flexibilität und das etwas angeschlagene Image würden zu dieser Tendenz beitragen.

Andrea Reinthaler-Stütz von der Kepler Society der Johannes-Kepler-Universität Linz bestätigt - am wirtschaftlich orientierten Feld - ebenfalls den Trend in Richtung "Soft BWL". Marketing und Personalwirtschaft werden von den Linzer Absolventen angestrebt - gerade dort seien schwer Jobs zu finden, sagt sie. Zurzeit extrem nachgefragt werden, so Reinthaler-Stütz, Controller: "Zwar gibt es hier keinen Mangel an Absolventen, aber es gibt wenig Studierende, die ihre berufliche Zukunft in diesen 'zahlenlastigen' Bereichen sehen."

26 Prozent aus dem zBp-Absolventenpool (Zentrum für Berufsplanung der WU Wien) wollen ins Marketing, bestätigt zBp-Geschäftsführerin Ursula Axmann mit einer Erhebung von 2006. Gefolgt werden diese von 18 Prozent, die ins Finanz- und Rechnungswesen gehen wollen (anders als in Linz), und 16 Prozent, die eine Trainee-Stelle suchen. Dem gegenüber steht die Nachfrage potenzieller Arbeitgeber: 44 Prozent werden für Finanz- und Rechnungswesen gesucht, 17 Prozent für Marketing-Positionen, und 13 Prozent der Gesuchten könnten auf einen generalistischen Posten hoffen. (Heidi Aichinger/DER STANDARD Printausgabe, 24./25. Februar 2007)

  • Ursula Axmann, zBp
    foto: zbp

    Ursula Axmann, zBp

  • Wolfgang Pöllauer, Universität Klagenfurt
    foto: privat

    Wolfgang Pöllauer, Universität Klagenfurt

  • Rainer Wimmer, TUCareer
    foto: tucareer

    Rainer Wimmer, TUCareer

  • Kathrin Rapp, Universität Graz
    foto: uni graz

    Kathrin Rapp, Universität Graz

  • Andrea Reinthaler-Stütz, Kepler-Uni Linz
    foto: jku

    Andrea Reinthaler-Stütz, Kepler-Uni Linz

  • Josef Letsch, Uniport
    foto: uniport

    Josef Letsch, Uniport

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