Kopf des Tages: Eric Pleskow

6. März 2007, 14:10
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Langsam vernarben alte Wunden: Der Produzent und Viennale-Präsident wird Ehrenbürger von Wien

Um zu verdeutlichen, wie sehr dieser Gentleman die US-Filmgeschichte mitgeprägt hat, bedienen sich manche Leute einer Krücke und sagen: 1975, 1976, 1977. Und: Einer flog über das Kuckucksnest, Rocky, Der Stadtneurotiker.

Eric Pleskow war Präsident von United Artists, als er drei Jahre hintereinander jeweils den Academy Award für den "besten Film" entgegennehmen durfte. Fragt man ihn wiederum heute, was er mit Oscar-Galas verbinde, dann meint Pleskow lakonisch, dass er schlechte Dankesreden hasse. So hoch kann einer wie er nämlich gar nicht aufsteigen, dass er nicht übersehen würde, was das wert ist: Augenhöhe bewahren, auch im Umgang mit Stars. "Auszuloten, was Menschen antreibt, würde ich als Handschrift meiner Arbeit und meines Lebens bezeichnen", sagte Eric Pleskow einmal in einem Gespräch mit dem Standard.

Heute, Montag, wird er im Wiener Rathaus zum Ehrenbürger ernannt. Das ist weitaus mehr als ein Dankeschön dafür, dass der mittlerweile 82-jährige Produzent, der auch Erfolge wie Amadeus, Der mit dem Wolf tanzt und Das Schweigen der Lämmer mitverantwortete, seit 1998 als Präsident der Viennale ehrenamtlich einen denkbar guten Job macht.

Es ist diese Ehrung vielmehr vor allem ein weiteres kurzes Kapitel in der langen Geschichte der zögerlichen Wiederannäherung zwischen dem am 24 April 1924 geborenen Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, der 1939 in die USA emigrieren musste, und einer Stadt, in der man nach dem Krieg am liebsten wieder so weitergemacht hätte wie vorher. Nur langsam entstand ein Bewusstsein dafür, was unter den Nazis vernichtet worden und abhanden gekommen war. Eric Pleskow, der gewisse Mischungen aus Ignoranz und Dummheit bis heute geißelt, zog es vor, Wien fernzubleiben - bis ihn u. a. die ORF-Journalistin Gabriele Flossmann überredete, zum großen Kino-Emigranten-Treffen zu kommen, das die Viennale 1993 anlässlich einer Retrospektive veranstaltete.

Pleskow macht bis heute kein Hehl daraus, dass es ihm immer noch weh tut, von Menschen seiner Generation mit hartnäckiger historischer Blindheit konfrontiert zu werden. Auch an scharfer Kritik an der schwarz-blauen Koalitionsregierung der vergangenen Jahre ließ er es nicht mangeln.

Aber auch in Gesprächen mit der Schauspielerin Andrea Eckert, die diese kürzlich zum Pleskow-TV-Porträt I'm about winning montierte, vermittelt er den Eindruck, dass er wieder ganz gut mit und in dieser Stadt und Österreich leben kann. Der Hauptwohnsitz des seit 52 Jahren glücklich Verheirateten, der seine Enkelkinder gerne sarkastisch als "meine Rache an Hitler" bezeichnet, ist weiterhin New York. Als Ehrenbürger wird er jetzt aber Wien vielleicht noch öfter die Ehre geben. (Claus Philipp/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 2. 2007)

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    foto: robert newald
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