Europay: Entflechtung nötig

13. März 2007, 12:55
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Mastercard-Betreiber könnte an die Börse gebracht werden, auch ein Verkauf an Dritte steht im Raum

Wien - Die Banken müssen in nächster Zeit ihren Mastercard-Betreiber Europay entflechten. Den EU-Wettbewerbshütern sind nicht nur die Kreditkartengebühren zu hoch, auch die Eigentümer-Struktur der Firma Europay ist Brüssel ein Dorn im Auge. In der heimischen Bankenbranche wurde deshalb seit Monaten eine de-facto-Zerschlagung von Europay auf Druck von Brüssel für denkbar gehalten.

Die Gesellschaft, die Mastercard und alle Bankomaten im Land betreibt, steht im Eigentum aller heimischen Banken. Erst vor kurzem wurde Europay zu 5 Mio. Euro Kartellstrafe verdonnert. Nun müssen die Banken diese Beteiligung entflechten: Entweder eine Bank übernimmt dort das Sagen, oder die Banken verkaufen an Dritte, oder die hoch profitable Europay geht an die Börse, schreibt der "Kurier" (Samstagausgabe).

Knirschen im Gebälk

Hinter den Kulissen rumore es jedenfalls gewaltig. Offiziell gibt es aus den Banken nur eine einhellige Äußerung: Für die Kunden sei die Europay immer von Vorteil gewesen. Alle Bankomaten stünden jedem Bankkunden günstig zur Verfügung. Anders in Deutschland: Dort managt jede Bank die Bankomaten selber, bei einer Abhebung an fremden Bankomaten fallen Gebühren an.

Die EU-Wettbewerbsbehörde will laut "Kurier" das Knäuel zwischen Karten-Gesellschaften und Banken jedenfalls entwirrt haben. Die Erste Bank, mit 20 Prozent größter Einzelaktionär an Europay, soll Übernahmegelüste haben. BA-CA und BAWAG könnten ihre Anteile (zusammen 34,4 Prozent) abgeben.

Auch Visa Austria kommt bei der Debatte ins Spiel: Der Betreiber von Visa-Kreditkarten gehört zu 75 Prozent der BA-CA und zu 25 Prozent Raiffeisen. Beide sind auch an Europay beteiligt, Raiffeisen ist auch noch Mehrheitseigentümer bei der Kartenabrechnungsfirma Hobex.

"Die beiden werden sich wohl entscheiden müssen, wo sie beteiligt bleiben wollen", zitiert das Blatt aus einer beteiligten Bank. Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) hat aber angeblich derzeit wenig Lust, sich aus der ebenfalls rentablen Visa Austria zurück zu ziehen. (APA)

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