13-jähriger Kärntner soll nun nachträglich Schulbildung erhalten

15. März 2007, 15:18
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Sohn einer offenbar geistig kranken Mutter kann kaum lesen oder schreiben - Schulreferent sieht Versagen bei Jugendamt und Gericht

Jener 13 Jahre alte Bub aus Villach, der seit 1999 nur sieben Monate in der Schule verbracht haben soll, wird nun nachträglich seine Schulbildung erhalten. Für den Buben werde ein spezielles pädagogisches Konzept erarbeitet, mit dem er das Versäumte nachholen soll, kündigte Kärntens Schulreferent Uwe Scheuch (B) am Freitag bei einer Pressekonferenz an. Scheuch ortet die Verantwortung für die Causa beim Jugendamt, dem Gericht und der Stadt Villach.

Der Bub war, wie das Nachrichtenmagazin "News" in seiner Donnerstag-Ausgabe berichtete, von seiner angeblich psychisch kranken Mutter immer wieder aus der Schule abgezogen worden. Die Schulbehörden hätten "alles Menschenmögliche" getan, um das Problem zu lösen, sagte Scheuch, ihnen könne kein Vorwurf gemacht werden. Im System liege jedoch insgesamt vieles im Argen. Scheuch: "Die zuständigen Behörden haben fahrlässig gehandelt, jahrelang weggeschaut und nichts unternommen."

Runder Tisch

Der BZÖ-Politiker will nun alle zuständigen Stellen zu einem Runden Tisch rufen, bei dem geeignete Maßnahmen ausgearbeitet werden sollen, um ein Frühwarnsystem einzurichten. "Es muss permanente Kommunikation geben und sichergestellt sein, dass die zuständigen Stellen auch handeln", forderte Scheuch. Niemand verstehe, dass das Gericht jahrelang keine Entscheidung getroffen habe. Scheuch: "Kinder haben nichts bei psychisch kranken Eltern als Erziehungsberechtigte verloren." Hier gebe es eine Verantwortung der öffentlichen Hand.

Auch die zuständige Bezirksschulinspektorin, die BZÖ-Abgeordnete Johanna Trodt-Limpl, betonte, die Schulbehörde hätte "unzählige Eingaben" gemacht und müsse sich keine Fehler vorwerfen lassen. Dies sei auch ausführlich dokumentiert. Trodt-Limpl erklärte, sie habe bereits mit dem Direktor der Sonderschule Villach Kontakt aufgenommen, um dem Buben die versäumte Schulbildung zu ermöglichen.

Auch der Bruder braucht Unterstützung

Laut Scheuch hatte der Bub bei seiner Mutter und Großmutter gelebt. Auch sein bereits 22 Jahre alter Bruder sei daheim, dieser habe keinen Beruf erlernt und brauche ebenfalls Unterstützung. Heftige Kritik gab es vom Landesrat dafür, "dass der Schüler noch immer zu Hause ist, nachdem die Mutter ins Krankenhaus eingewiesen worden ist". Hier müsse rasch etwas geschehen, denn immerhin habe die Großmutter dem Treiben ihrer Tochter jahrelang untätig zugesehen.

Stadt Villach sieht "Haltet den Dieb"-Methoden

Die Stadt Villach hat am Freitag die Schuldzuweisung des für Bildung zuständigen BZÖ-Landesrates Uwe Scheuch im Zusammenhang mit dem knapp 14-jährigen Buben, der keine Schule besucht hat, scharf zurückgewiesen. "Das ist eine Vorgangsweise nach der Methode ,Haltet den Dieb'", betonte Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser (S).

Das Jugendamt der Stadt Villach habe laut Sandriesser "völlig korrekt und den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend" gehandelt. Die Angelegenheit liege seit zwei Jahren beim Bezirksgericht, und die Stadt Villach sei ausschließlich von der Entscheidung des Gerichtes abhängig, betonte die SPÖ-Politikerin. Sie vermutet daher, dass Scheuch "den bedauerlichen Problemfall für parteipolitische Zwecke missbraucht".

(APA)

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