EU für Ausdehnung des Arbeitslebens

14. März 2007, 15:29
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Die EU fordert eine "Verlängerung der Lebensarbeitszeit" und mehr berufliche Mobi­lität, um die selbst ge­setzten Ziele zum Abbau der Arbeitslosigkeit erreichen zu können

Brüssel - Trotz günstiger Konjunkturdaten und einer steigenden Beschäftigungsquote in der Europäischen Union bestehe "noch immer dringender Handlungsbedarf, da 17 Millionen Europäer nach wie vor ohne Beschäftigung sind und 20 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen." Dies ist eine der "Kernbotschaften", welche die EU-Sozialminister am Donnerstag für den EU-Frühjahrsgipfel am 8./9. März beschließen wollen..

"Anreize für aktives Altern"

Die EU-Minister wollen zwar keine Empfehlung für eine Anhebung des Pensionsantrittsalters aussprechen, gefordert werden aber "mehr Anreize für aktives Altern und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit". Die EU-Kommission hat speziell Österreich in ihrem diesjährigen Beschäftigungsbericht aufgefordert, mehr Anreize zu schaffen, um ältere Menschen nicht in die Frühpension zu schicken, sondern im Arbeitsprozess zu halten. Während die Alpenrepublik mit einer Beschäftigungsrate von 68,6 Prozent besser als der EU-Schnitt dasteht, ist die Rate älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt mit 31,8 Prozent unter den niedrigsten in der EU.

Neue Jobziele, wie beim EU-Frühjahrsgipfel im vergangenen Jahr beschlossen, wollen sich die 27 Mitgliedstaaten heuer nicht mehr setzen. Damals hatte die EU unter österreichischer Ratspräsidentschaft beschlossen, bis 2010 jährlich zwei Millionen zusätzliche Stellen schaffen zu wollen. Die Empfehlungen der EU-Kommission zur Umsetzung der nationalen Wirtschaftsreformen sind nach Angaben von Diplomaten unstrittig. Nur Dänemark, Finnland, Irland, Luxemburg und Schweden haben ihre Vorgaben aus Brüssel im vergangenen Jahr so gut erfüllt, dass die EU-Kommission diesen Ländern keine Ratschläge mehr auf den Weg gibt.

Gleichstellung von Männern und Frauen

Weitere "Kernbotschaften" der EU-Sozialminister für den Gipfel sind eine bessere Gleichstellung von Männern und Frauen, eine flexiblere Gestaltung des Arbeitsrechts ("Flexicurity"), die Bekämpfung der Kinderarmut, die Modernisierung der Pensionssysteme und die Nachhaltigkeit des Gesundheits- und Pflegewesens. "Durch geeignete Anreize sollte Arbeit attraktiver gemacht werden als Sozialleistungen, damit sicher gestellt werden kann, dass Arbeit und diesbezügliche Veränderungen sich auszahlen", heißt es in dem Entwurf.

Erstmals diskutieren die Sozialminister auch über die jüngsten Warnungen der EU-Kommission zum demographischen Wandel in Europa. Die zunehmende Überalterung der europäischen Bevölkerung durch steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten wird in den nächsten Jahrzehnten in der Mehrheit der EU-Länder radikale Pensionsreformen notwendig machen. Österreich sei dabei noch verhältnismäßig gut gerüstet, hatte die Kommission im Herbst in einem Bericht festgestellt.

Die Minister sollen klären, welche Prioritäten und mehrjährigen Ziele sie sich angesichts dieser Herausforderungen setzen, und ob die bisherige offene Koordinierung unter den EU-Staaten dazu ausreicht. Außerdem soll der EU-Ministerrat die steigende Bedeutung hervorheben, die Senioren für die wirtschaftliche Wertschöpfung in Zukunft haben. (APA)

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    Die EU will ältere Menschen länger in der Arbeit halten.

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