Wien wächst in Richtung Bratislava

5. Juli 2007, 13:53
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Der Masterplan für das Flugfeld Aspern steht und muss nur noch von Bevölkerung und Gemeinderat abgesegnet werden

Wien – Als eines der 13 Stadtentwicklungsgebiete ist das Flugfeld Aspern im Norden Wiens am Montag glänzend hervorgehoben worden. Nicht nur, weil Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) am Dienstag den Masterplan für den neuen Stadtteil, der in den kommenden 20 Jahren entstehen soll, präsentierte.

Wien soll dort auch, wo 1982 General Motors Flächen zur Verfügung gestellt wurden und bereits 1994 darüber nachgedacht wurde, das als Industriegebiet gewidmete Areal städtebaulich zu entwickeln, zur Drehscheibe für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung werden. Zwischen der Innenstadt Wiens und Bratislavas sei der neue Stadtteil genau in der Mitte und könne die beiden mit der ausgebauten U2 und der Bahn in 22, beziehungsweise 28 Minuten erreichen, nannte Schicker einen Vorteil der Region.

Bis zu 25.000 Arbeitsplätze

Auf dem 240 Hektar großen Gebiet sollen 8500 Wohnungen enstehen und bis zu 25.000 Arbeitsplätze möglich werden. Demografisch gesehen sei das auch notwendig, denn in den kommenden zehn Jahren werde die Bevölkerung Wiens wachsen, verweist er auf die Statistik. Wenn die ersten Bewohner am ehemaligen Flugfeld landen, dann sollen laut Masterplan sowohl Verkehrsanbindungen als auch Grünflächen für die Stadtteilsbevölkerung vorhanden sein.

Der Bauplan chronologisch: Nachdem die Experten nun das vorläufige Modell entworfen haben, hat die Bevölkerung in Form von drei Vertretern die Möglichkeit, Wünsche und Veränderungsvorschläge zu äußern. Noch heuer wird der Masterplan den Gemeinderat passieren, 2008 wird dann der Flächenwidmungsplan erfolgen. 2009 sollen sich die ersten Betriebe ansiedeln, 2010 die ersten Wohnungen stehen. 2012 soll dann auch die U2 vorfahren. Der U-Bahnausbau stehe im Regierungsprogramm und werde vom Bund mitfinanziert, sagte Schicker. Auch die A23, die Südosttangente, soll verlängert werden, laut Asfinag bis 2015, laut Schicker könne sich der Ausbau aber verzögern.

Kritik von der Rathaus-Opposition

Die Wiener Grünen bezeichneten die A23-Verlängerung als "überdimensioniert". "Eine zweispurige Bundesstraße entlang der Ostbahn in Richtung Großenzersdorf ist als Umfahrungsstraße der Donaustädter Ortskerne von Essling, Aspern und Hirschstetten sehr sinnvoll", schlug Umweltsprecher Rüdiger Maresch die Alternative vor. VP-Planungssprecher Alfred Hoch kritisierte, dass es zu Stadtteilen wie Essling oder Breitenlee keine Anbindung gebe.

Zur Erholung wurde vom schwedischen Planer Johannes Tovatt im Masterplan auch ein vier Hektar großer See eingeplant, genauso wie eine Ringstraße, die das Zentrum nördlich der GM-Werke zusammenfasst. Insgesamt sollen fünf Milliarden Euro investiert werden.

Zwei Heißwasserquellen

Unter dem Areal befinden sich zwei Heißwasserquellen. Die eine, 120 Grad Celsius heiß und in ungefähr drei Kilometern Tiefe, wird zur Wärmegewinnung herangezogen, Verträge der Stadt mit der Fernwärme Wien sind im Begriff, abgeschlossen zu werden. Mit der zweiten Quelle in fünf Kilometern Tiefe und mit über 200 Grad könnten Turbinen zur Stromerzeugung angetrieben werden. Ob diese Quelle genutzt wird, ist noch offen. Die Fernwärme Wien strebt, auch um Erfahrungswerte zu sammeln, zunächst die erste Form der Versorgung an. (Marijana Miljkoviæ, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2007)

  • Die Uferpromenade am Aspern-See: Der Masterplan zum ehemaligen Flugfeld sieht auch Grünflächen als Erholungsgebiete vor. Der See wird vier Hektar groß sein.
    visualisierung:tovatt architects & planners

    Die Uferpromenade am Aspern-See: Der Masterplan zum ehemaligen Flugfeld sieht auch Grünflächen als Erholungsgebiete vor. Der See wird vier Hektar groß sein.

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