Gewalt gegen Kinder: 2.358 Anzeigen im vergangenen Jahr

15. März 2007, 15:18
24 Postings

SPÖ-Abgeordneter Maier: Dunkelziffer viel höher - Jugendwohlfahrt muss aktiver werden - mit Grafik

Im vergangenen Jahr sind in Österreich 2.358 Delikte wegen Gewalt gegen Kinder (bis 14 Jahren) angezeigt worden. Das geht aus Anfragebeantwortungen des Justiz- bzw. Innenministeriums an den Abgeordneten Johann Maier hervor. "Die Dunkelziffer dürfte allerdings viel höher liegen, besonders was Paragraf 92 (Quälen oder Vernachlässigen unmündiger oder wehrloser Personen) betrifft. Die Jugendwohlfahrt muss aktiver werden und nicht erst bei Gefahr im Verzug einschreiten", so Maier.

Von den im vergangenen Jahr angezeigten 2.358 Delikten entfallen 1.598 auf Körperverletzung, 458 auf sexuellen bzw. schweren sexuellen Missbrauch von Minderjährigen (Paragraf 206, 207), 168 auf Nötigung bzw. schwere Nötigung (Paragraf 105, 106), 116 auf Paragraf 92, sieben auf Freiheitsentziehung (Paragraf 99), acht auf Mord (Paragraf 75) und je einer auf Aussetzung (Paragraf 82), Entführung einer unmündigen Person (Paragraf 101) und erpresserische Entführung (Paragraf 102). Auffällig, dass alle acht Delikte bezüglich Mordes und von den 458 Delikten bei sexuellem Missbrauch 165 dem familiären Bereich zugeordnet werden. Allein vier Kinder tötete ein 50-Jähriger im niederösterreichischen Mauerbach. Er hatte Anfang Jänner vier seiner fünf Töchter umgebracht.

Maier: "Schockierende Zahlen"

Von 2000 bis 2006 gab es insgesamt 18.677 Delikte gegen Kinder, wobei 12.442 auf Körperverletzung entfielen, 4.214 auf sexuellen bzw. schweren sexuellen Missbrauch Minderjähriger, 1.032 auf Paragraf 92, 746 auf Nötigung bzw. schwere Nötigung, 148 auf Freiheitsentziehung, 57 auf Mord, 16 auf Aussetzung, zwölf auf Paragraf 102 und zehn auf Entführung einer unmündigen Person. Maier bezeichnete diese Zahlen und das Quälen und Vernachlässigen von Kindern als "besonders schockierend".

Vergleicht man die vergangenen sechs Jahre, so entfallen die Delikte wegen Gewalt gegen Kinder folgendermaßen: 2002: 2.472, 2001: 2.641, 2002: 2.589, 2003: 3.066, 2004: 2.996, 2005: 2.251. In all diesen Jahren stehen Körperverletzung an erster Stelle (12.442) und sexueller bzw. schwerer sexueller Missbrauch mit 4.214 an der zweiten.

Behörden sollen früher einschreiten

"Familiäre Gewalt wird nicht mehr als Privatsache, sondern als eine staatliche und gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen. Erfahrungen zeigen, dass die Bevölkerung das Instrument des Betretungsverbotes immer mehr annimmt. Mit dem In-Kraft-Treten des Gewaltschutzgesetzes am 1. Mai 1997 haben die Sicherheitsbehörden und die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes neue Aufgaben und zu deren Durchsetzung neue Befugnisse wie die Wegweisung/das Betretungsverbot vom Gesetzgeber übertragen bekommen", stellte das Justizministerium in der Anfragebeantwortung fest. Für Maier ist es wichtig, dass die Behörden früher einschreiten, "vor allem wenn Nachbarn Meldungen machen". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.