Thomas Imbach Filmtage im Votivkino

23. Februar 2007, 19:10
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"Happiness is a Warm Gun": Werkschau des Schweizer Filmemachers von 22. bis 25. Februar

Wien - Thomas Imbach ist einer der bekanntesten und originellsten Autorenfilmer der Schweiz. Unter dem Titel "Happiness is a Warm Gun" steht im Wiener Votivkino von Donnerstag (22.2.) bis Sonntag erstmals in Österreich eine größere Werkschau des 1962 geborenen Autodidakten auf dem Programm. Zu sehen sind sechs Spiel- und Dokumentarfilme, den Auftakt macht der von Georg Büchner inspirierte Streifen "Lenz", der am 2. März auch regulär im Kino startet.

Ein eigenwilliger, experimentierfreudiger Zugang, die Kombination von Fiktionalem und Dokumentarischem und von Film und Video - er hat als einer der ersten Regisseure Consumer-Camcorder für die Kinoleinwand eingesetzt - sind wesentliche Kennzeichen von Imbachs filmischer Handschrift. Von einem "Kino begriffen als Wirklichkeits-Konstruktion" schreibt sein Landsmann, Ex-Diagonale-Kointendant Constantin Wulff, der die in Kooperation mit Navigator Film und Swiss Films veranstaltete Retrospektive kuratiert hat.

Bekannt durch "Well Done"

International bekannt wurde Imbach mit der Doku "Well Done" (1994) rund um eine Schweizer Telebanking-Firma, die aus thematisch geordneten seriellen Schnittfolgen - Hände, Telefonhörer, Stimmen oder Kamerafahrten durch die Gebäudegänge - komponiert ist und unter anderem die Infiltrierung des Privatlebens durch die Geschäftssprache zeigt. "Ghetto" (1997) fängt in intimen bewegten Videobildern die Lebensrealitäten Zürcher Jugendlicher kurz vor der Matura ein, gegliedert in sechs Kapitel, und kontrastiert mit Filmaufnahmen idyllischer Landschaften und kühler funktionaler Architektur.

Als Science-Fiction Essay bezeichnen Imbach und sein Kameramann Jürg Hassler die im Jahr darauf für das Fernsehen produzierte und ähnlich konstruierte Doku "Nano-Babies" über die Kinderkrippe einer Hochschule, die am 24. Februar um 12 Uhr als Doppelfeature gemeinsam mit "Well Done" gezeigt wird. Dazwischen gibt es einen Vortrag von Vrääth Öhner zum Thema "Science Fiction und Dokumentarfilm" mit anschließendem Büffet von dok.at.

Film im Gehirn

Imbachs erster Spielfilm über den mysteriösen Doppeltod von Petra Kelly und Gert Bastian gab der Werkschau ihren Titel: "Happiness is a Warm Gun" (2001) spielt im Gehirn der 1992 von ihrem Geliebten erschossenen deutschen Grün-Politikerin - und zwar in jenem Sekundenbruchteil, in dem die Revolverkugel ihren Kopf durchdringt. Volksbühnen-Star Herbert Fritsch und Linda Olsansky von der Schaubühne aus Berlin liefern eine furiose surreale Tour de Force zwischen Liebes- und Machtspielen mit dokumentarischen Ausflügen in die Geschichte und Gegenwart. Als Arbeitstagebuch und Kommentar dazu lässt sich der parallel entstandene Streifen "Happy too" lesen.

Gleichzeitig entstanden sind im Vorjahr auch "Lenz" und der eben auf der Berlinale uraufgeführte Spielfilm "I was a Swiss Banker", der in Wien allerdings nicht gezeigt wird. Die märchenhafte Reise eines mit Schwarzgeld durchgebrannten Bankers durch eine von Nixen und Hexen bevölkerte Schweiz ist das verspielte Gegenstück zum tragischen Herumirren des Berliner Filmemachers Lenz, der in den Bergen Halt bei seiner Exfreundin und dem gemeinsamen Sohn sucht. Ein berührendes Künstler- und Beziehungsdrama zwischen Alpenarchaik und touristischer Ödnis, in dessen Hauptrolle mit Milan Peschel ein weiterer Berliner Volksbühnen-Hero brilliert. (APA)

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