Knackpunkte der Toleranz

11. September 2007, 10:17
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Toleranz hört dort auf, wo Freiheit eingeschränkt wird. Das zeige die Jugendstudie "elf/18", erklärt Manfred Zentner im Interview mit Petra Polak und Alexander Müller

SchülerStandard: Was genau möchte die "elf/18-Jugendstudie" aufzeigen?

Manfred Zentner: Das Hauptziel unserer Studie ist es, die Lebenswelt von Jugendlichen abzubilden. Dieses Mal waren unsere Hauptpunkte: politische Einstellungen, Sympathien zu Institutionen und zu ausländischen Jugendlichen der zweiten Generation.

SchülerStandard: Welche Reaktion folgte auf diese Studie?

Zentner: Wir verwenden diese Studie für uns selbst, da sie für die Erwachsenenbildung verwendet wird. Es ist interessant zu hören, wenn Leute sich die Fragen stellen: Sind Jugendliche wirklich so? Bringt es etwas, mit Jugendlichen oder türkischen Jugendlichen zu arbeiten? Generell waren die Reaktion sehr positiv.

SchülerStandard: Gab es Response aus politischen Reihen?

Zentner: Politiker haben schon Interesse an Leuten die sich mit Jugendpolitik beschäftigen. Man muss das so sehen, dass nicht nur die namhaften Politiker die Macht sind, sondern auch die Verwaltungsebene eine Rolle spielt.

Standard: Was kann man aus den Ergebnissen mitnehmen?

Zentner: Man sieht, dass Institutionen, die sich mit Jugendlichen beschäftigen, mehr Sympathien haben als Parteien, die weit weg sind von ihrem Leben. Hier ist es ganz offensichtlich, dass die Politik oder die Parteien nicht greifbar sind. Es geht natürlich nicht darum, wer sympathisch ist und wer nicht, aber Parteien haben viel mehr Enthaltungen. Über eine Menschenrechtsorganisation haben mehr Jugendliche eine klare Meinung als über eine Partei.

SchülerStandard: Gab es Knackpunkte oder Probleme, die man vorher nicht sah?

Zentner: Was für mich sehr überraschend war, war die Einstellung der Jugendlichen zu Immigranten-Jugendlichen. Wo sollten sie sich besser anpassen und wo nicht. Hier werden, bei aller Toleranz der Österreicher, einfach manche Sachen nicht genau hinterfragt.

SchülerStandard: Sie meinen zum Beispiel die Gleichberechtigung von Frauen?

Zentner: Ja. Es gibt einfach eine Toleranzgrenze bei Jugendlichen, da müssen Immigranten sich anpassen. Es gibt Werte, die den österreichischen Jugendlichen sehr wichtig sind. Werte wie Freiheit. Da wo meine persönliche Freiheit eingeschränkt wird, hört auch die Toleranz auf. (DER STANDARD Printausgabe, 20. Februar 2007)

Zur Person
Manfred Zentner (40) arbeitet seit zehn Jahren in der Jugendkulturforschung.
  • Manfred Zentners Jugendstudie soll der Erwachsenenbildung dienen.
    foto: standard/hendrich

    Manfred Zentners Jugendstudie soll der Erwachsenenbildung dienen.

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