Labour droht Absturz unter Brown

8. März 2007, 13:38
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Konservative können gegen den "unheimlichen Schotten" noch auf klareren Wahlsieg hoffen

London - Trotz der wachsenden Unbeliebtheit des britischen Premiers Tony Blair droht der regierenden Labour-Partei unter seinem designierten Nachfolger Gordon Brown ein noch tieferer Absturz in der Wählergunst. Nach einer Umfrage im Auftrag der Tageszeitung "The Guardian" (Dienstag-Ausgabe) wollen nur 29 Prozent der Wähler der Labour-Partei unter der Führung von Brown ihre Stimme geben. Die Konservativen unter David Cameron kämen in diesem Fall auf 42 Prozent und damit erstmals seit 1992 wieder auf eine Mandatsmehrheit im britischen Unterhaus von etwa 50 Sitzen.

Wie unbeliebt Brown ist, zeigt die Untersuchung auch durch eine Zusatzfrage: Wurden die Wähler nur nach ihrer Parteienpräferenz befragt, lag Labour unverändert bei 31 Prozent, und die Konservativen hielten stabil bei 40 Prozent. Brown kostet demnach seine eigene Partei zwei Prozentpunkte. Ebendiese könnten aufgrund des britischen Mehrheitswahlrechts den entscheidenden Unterschied ausmachen. Der Rückstand von 29 zu 42 Prozent bei Nennung der Namen der Parteiführer ist das schlechteste Ergebnis von Labour seit 1983, als sich die Partei in linksextremen Flügelkämpfen der Selbstzerstörung hingab.

Blairs Schatten

Die verheerenden Umfrageergebnisse werden jenen in der Labour-Partei Auftrieb geben, die eine rasche Amtsübergabe von Premier Blair fordern. Sie sehen Brown durch die längst überfällige Übergabe in seiner Wirkung beeinträchtigt. Weiterhin aber lässt der Regierungschef das genaue Datum seines längst angekündigten Rückzugs offen. Erst am Sonntag bekräftigte er einmal mehr in einem Interview, noch "ein umfangreiches Arbeitsprogramm" vor sich zu haben.

Sie werden aber auch jene beflügeln, die eine "Hofübergabe" an Brown in Frage stellen. Vor wenigen Tagen forderte der ehemalige Gesundheitsminister Frank Fields einen Generationswechsel in den Reihen von Labour und machte sich für Umweltminister David Miliband anstelle von Brown stark. Der 40-jährige Miliband hat Derartiges bisher stets von sich gewiesen. Die Argumentation Fields' und anderer Kritiker, dass Brown zu eng mit der Ära Blair verbunden sei, um einen Neuanfang glaubhaft signalisieren zu können, findet in der Partei aber wachsende Unterstützung.

Unheimlicher Schotte

Das miserable Umfrageergebnis muss für Brown umso schmerzlicher sein, als die Umfrage unmittelbar nach Enthüllungen durchgeführt wurde, wonach Konservativen-Chef Cameron in seiner Schulzeit beim Drogenkonsum erwischt wurde. Seiner Beliebtheit tat dies offenbar keinen Abbruch. Der düstere Schotte Brown scheint den Briten bei aller Tugendhaftigkeit unheimlicher als der charismatische Elite-Schüler Cameron. (APA)

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    Unbeliebter Gordon Brown

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