Torschusspanik in der Wiener Burg

14. Februar 2007, 18:43
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Klaus Bachler und sein Team hadern mit der Fußball-EM 2008

Wien - Während sich das Wiener Burgtheater trotz anhaltend stagnierender "Basisabgeltung" und einem zusätzlichen Finanzbedarf von 2,4 und 2,8 Millionen Euro in den Jahren 2007 und 2008 auf der absehbar sicheren Sonnenseite wähnt, dräut mit der Fußball-EM eine den Spielbetrieb temporär erschütternde Zumutung. Anlässlich der Präsentation des Geschäftsberichts malte Burg-Chef Klaus Bachler in grellen Farben ein Bild vom Überschwappen einer Fan-Meile, deren erwünschtes Toben die Wiener Ringstraße im Juni '08 in ein Tollhaus verwandeln könnte.

Wiederum eine Gelegenheit für Bachler, die Unkultur in der heimischen Politik zu geißeln: Ursula Stenzel (VP), die "Jeanne d'Arc der Innenstadt" (Bachler), wolle auf dem Josef-Meinrad-Platz einen Busbahnhof einrichten. Das Gelärm einer buntscheckigen Fan-Schar mache den Bedarf nach einer Alternativspielstätte augenfällig: "Nur hat mit uns noch keiner gesprochen", so Bachler. Was er sich von Bund und Gemeinde erwarte? "Wir warten auf einen Brief mit einem Einfall, oder mit der bindenden Zusage für zusätzliche Mittel." Ein entsprechendes Ausweichquartier könne im Museumsquartier beheimatet werden - "oder wir stellen ein Zelt auf der Wiener Donauplatte auf!"

Während Bachler also befürchtet, dass die Burg während eines Monats in ein "öffentliches Klo" umgewandelt wird, lesen sich die von Verwaltungschef Thomas Drozda preisgegebenen Kenndaten ermutigend: 21 Premieren wurden 2005/06 von 418.851 Zuschauern bewundert. Trotz Kartenpreiserhöhung und einer erklecklichen Anzahl von Gastspielen beziffert man die Auslastung mit 84,5 Prozent, was einem geringfügigen Rückgang von 0,9 Prozentpunkten entspricht. Die Rekordeinnahmen werden mit 6,2 Millionen Euro angegeben (plus zehn Prozent), was unter Zuhilfenahme beträchtlicher Sponsorengelder einen Eigendeckungsgrad von 20 Prozent ergibt.

Bei der frisch gebackenen Unterrichtsministerin ortet Bachler mit etwas allgemein gehaltener Geste die Schärfung des "Problembewusstseins". Was dann wie folgt lautet: Man sei "zuversichtlich", dass Frau Schmied (SP) den Mehrbedarf bei den Budgetverhandlungen zeit- und widmungsgemäß "anmeldet".

Die Politik "müsse sich bewegen": Bachler will den hoffnungsfroh begonnenen Shakespeare-Zyklus durch keinerlei äußere Widrigkeit gefährdet sehen. Nächste Etappenziele: Julius Caesar (Premiere 14.3.) und Maß für Maß (28.4.) in der Burg. (Ronald Pohl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2007)

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