Schlechtes Jahr für Seepiraten

12. März 2007, 09:25
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Die Zahl der dokumentierten Überfälle auf den Weltmeeren ging 2006 das dritte Jahr in Folge zurück

Wien - Die Zeiten werden offenbar auch für Piraten nicht einfacher: Im Vorjahr wurden 239 Überfälle auf Schiffe dokumentiert. Die Zahl sank damit das dritte Jahr in Folge, wie der Fachverband der Schifffahrtsunternehmungen in der WKÖ am Montag bekannt gab. 2004 wurden 329 Überfälle gezählt, 2005 waren es 276.

Die bekannten Hochrisikogebiete bleiben weiterhin Indonesien, Nigeria, Somalia, der Hafen von Chittagong in Bangladesch und Santos in Brasilien. Dank der Bemühungen der regionalen Küstenwachen habe sich die Situation in der Straße von Malakka unterdessen verbessert.

"Bedenkt man, dass neunzig Prozent aller in die Europäische Union eingeführten bzw. aus ihr ausgeführten Güter auf dem Seeweg befördert werden, so ist Sicherheit ein wichtiges Thema. Glücklicherweise war bisher noch kein österreichisches Handelsschiff von Piraterie betroffen", so der stellvertretende Fachverbands-Obmann Hans-Georg Wurmböck, gleichzeitig Geschäftsführer der österreichischen Lloyd-Gruppe, Österreichs einziger Hochseereederei.

Aufmerksamkeit als Erfolgsgeheimnis

Das Erfolgsgeheimnis im Kampf gegen Piraterie sei eine umfassende Dokumentation der Vorfälle und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit. Diese bewege Regierungen dazu, ihre Bemühungen im Kampf gegen Seepiraten vor den Küsten zu verstärken, so Wurmböck. "Wir müssen den Druck aufrechterhalten, indem wir noch mehr Schiffseigner dazu ermutigen, auch alle Vorkommnisse zu melden" fügt er hinzu.

In Indonesien ging die Zahl der Überfälle von 79 im Jahr 2005 auf 50 im Jahr 2006 deutlich zurück. In Somalia, wo wenige Tage nach dem Rückzug der islamischen Milizen bereits wieder ein Fall gemeldet wurde, müsse die Zentralregierung alle Bemühungen einsetzen, die Kontrolle zu erlangen - andernfalls sei davon auszugehen, dass Piratenüberfälle wieder ihr vorheriges Level erreichen würden. Auch im Hafen von Santos in Brasilien sei eine Welle von Angriffen auf Containerschiffe dokumentiert worden, die dort vor Anker liegen.

Meldezentrum in Kuala Lumpur

Der Jahresbericht für Seepiraterie wird vom International Maritime Bureau (IMB) herausgegeben, einer Organisationseinheit der Internationalen Handelskammer (ICC). Die Internationale Handelskammer hat 1992 das Piracy Reporting Center (PRC) in Kuala Lumpur gegründet, um die internationale Piraterie an einer zentralen Stelle beobachten, dokumentieren und somit besser bekämpfen zu können. Das Zentrum versorgt Schiffe auf allen Weltmeeren laufend mit den aktuellsten Informationen und Warnungen vor Piraten, bei Überfällen steht eine 24-Stunden-Hotline für Hilferufe zur Verfügung. (red)

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    Nur eine Übung: Am 2. Februar 2007 fangen thailändische und malaysische Marine-Einheiten, unterstützt von einem Helikopter der japanischen Küstenwache, in der Nähe der Insel Phuket ein "Piratenschiff" (im Bild rechts im Hintergrund) ab. Es handelte sich um die erste gemeinsame Übung dieser drei Länder im Kampf gegen die Seepiraterie in der Straße von Malakka.

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