Vater hielt Sache geheim

15. März 2007, 15:18
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Kein Statement: "Dadurch würde nichts besser" - "Österreich"-Redakteur: "Er bat mich unter Tränen, nichts zu veröffentlichen"

Klagenfurt/Linz - Der Vater der drei Mädchen, die unter menschenunwürdigen Verhältnissen jahrelang von ihrer Mutter von der Außenwelt abgeschirmt worden waren, will gegenüber Medien kein Statement zu dem Fall abgeben, wie er auf eine Anfrage der APA mitteilen ließ. "Dadurch würde nichts besser", lautete sein Argument.

Vater ein "Mitopfer"

Die Sachwalterin von zwei der Mädchen, Margreth Tews, wies die Vermutung zurück, die Affäre könne damit zusammenhängen, "dass beide Eltern die Gesetze für sich zu nutzen wussten". Sie bezeichnete den Vater als "Mitopfer der ganzen Misere und nicht im mindesten als Täter". Auch die schwerkranke Mutter sei "rechtlich nicht verantwortlich".

Zu ihrer Rolle schilderte Tews, die beiden jüngeren Kinder seien im Oktober 2005 der Mutter abgenommen worden. Anfang 2006 sei sie als Sachwalterin bestellt worden und sie habe umgehend die älteste, die 21-jährige Tochter aus der Wohnung geholt, für ärztliche Betreuung und später für die Unterbringung im Therapiehof gesorgt. Dabei habe sie mit dem Büro von Soziallandesrat Josef Ackerl Kontakt aufgenommen, denn die Finanzierung der Unterbringung der Volljährigen sei ungesichert gewesen, weil für sie als Erwachsene nicht mehr die Jugendwohlfahrt für die Aufbringung der finanziellen Mittel verantwortlich ist.

In einem von der zuständigen Büro-Mitarbeiterin einberufenen runden Tisch sei sehr rasch die finanzielle Absicherung geklärt worden. Für die zweite Tochter sei sie erst im September 2006 als Sachwalterin bestellt worden. Davor sei sie in keiner Weise mit dem Fall befasst gewesen, noch sei er ihr bekannt gewesen.

Fall geheim gehalten

Der Fall war auf Bitten des Vaters vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden. Manfred Wrussing, Redakteur der Tageszeitung "Österreich", der die Causa jetzt publik gemacht hatte, erklärte am Montag im Gespräch mit der APA, der Vater habe ihn im Jahre 2005 "unter Tränen gebeten, nichts zu veröffentlichen".

Wrussnig hatte als erster Journalist von der Tragödie erfahren und die drei Mädchen im November 2005 im Sonder-Therapiezentrum "Weidenhof" in Grafenstein (Bezirk Klagenfurt-Land) aufgesucht. Dort sei auch der Vater, ein Linzer Richter, anwesend gewesen, und habe dringend ersucht, im Interesse der Kinder von einer medialen Veröffentlichung Abstand zu nehmen. Dieser Bitte habe er entsprochen, sagte Wrussnig, der zu diesem Zeitpunkt für einen deutschen TV-Sender arbeitete.

Schwer traumatisiert

Wie der Villacher Journalist weiter erläuterte, seien die drei Mädchen damals schwer traumatisiert gewesen. Wrussnig: "Sie hatten eine schneeweiße Haut, waren psychisch beeinträchtigt und sind vor jedem Fremden sofort davon gelaufen. Auch der Vater galt für sie offenbar als Feindbild." Ein Gespräch mit den Dreien wäre daher auch gar nicht möglich gewesen. Er habe sich mit dem Vater deshalb darauf verständigt, die Sache so lange geheim zu halten, bis eine gesundheitliche Besserung eingetreten oder die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die Mutter fertig sei, sagte Wrussnig. Derzeit laufen bei ihm die Telefone heiß, Dutzende Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sender fragen wegen der Aufsehen erregenden Story an. (APA)

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