Teheran probiert den Spagat

19. Februar 2007, 13:58
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Kein Verzicht auf Uran-Anreicherung, aber "mögliche Lösungsvarianten" im Atomstreit - Teheran installierte weitere Überwachungskameras

Teheran/München - Parallel zu Chefunterhändler Ali Larijani in München hat auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad am Sonntag noch einmal das Recht seines Landes auf die Uran-Anreicherung betont, sich aber gleichzeitig gesprächsbereit gezeigt. Mit diesem Spagat scheint Iran den offenen Konflikt mit der internationalen Gemeinschaft und eine Verschärfung der UNO-Sanktionen vermeiden zu wollen.

Larijani schlug einen möglichen Kompromiss vor. Er verwies auf den Vorschlag von US-Wissenschaftern, dass der Iran Zentrifugen betreiben könne, die nur niedrig angereichertes Uran - also bis vier Prozent - verarbeiten können.

Keine Einigung, aber Lösungsvarianten

Larijani traf am Rande der Konferenz mit EU-Chefdiplomat Javier Solana zusammen. Der Spanier teilte danach mit, es habe keine Einigung gegeben, man erwäge aber mögliche Lösungsvarianten.

Der deutsche Außenminister und EU-Ratsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier sagte, die Lösung des Atomstreits sei eine zentrale Weichenstellung für die internationale Sicherheit. "Entweder es gelingt uns in den nächsten Jahren, den Iran und andere Staaten vom Spiel mit der nuklearen Option fern zu halten, oder wir erleben eine neue Runde von atomarem Wettrüsten mit unabsehbaren Folgen für alle."

"In unserer Verteidigungsdoktrin ist kein Platz für nukleare Waffen", betonte hingegen Larijani. "Wir wollen nicht, dass Sie sich Sorgen machen. Viele glauben uns nicht, dass wir die Kernenergie friedlich verwenden." Sein Land bedrohe weder Israel noch Europa und unterstütze auch keine Terroristen.

Teheran installierte Überwachungskameras

Larijani kündigte an, den Streit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) innerhalb von drei Wochen beilegen zu wollen. Am Samstag erfüllte Teheran eine Forderung der IAEO und ließ weitere Überwachungskameras in der Atomanlage Natans installieren.

Ahmadi-Nejad blieb in seinen Äußerungen am Sonntag zum 28. Jahrestag der islamischen Revolution vage. Er kündigte für die nächsten Wochen eine neue Stufe der Uran-Anreicherung an. Die Iraner würden am 9. April Zeuge eines "Fortschritts" im Bereich der Atomtechnik. Er gab jedoch nicht wie medial erwartet bekannt, dass der Iran 3000 Zentrifugen für die Uran-Anreicherung installiert habe. Er betonte, dass sich der Iran an seine internationalen Verpflichtungen halten und mit der IAEO kooperieren werde.

Israel hält sich einem Kabinettsmitglied zufolge die Option eines Militärschlags gegen iranische Atomanlagen offen. "Wir müssen damit rechnen, dass die internationale Gemeinschaft nichts unternimmt und Israel irgendwann allein handeln muss", sagte der für strategische Angelegenheiten zuständige Minister Avigdor Lieberman dem Spiegel. Auch die Haltung der USA sei zu nachgiebig. (AP, dpa, DER STANDARD, Printausgabe 12.2.2007)

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    Der iranische Unterhändler Ali Larijani, von Journalisten umringt, betritt die Konferenz in München.

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