Politik: Über die eigene "Betroffenheit" hinausgehen

17. Oktober 2007, 14:03
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Dem untoten Universalismus im politischen Aktivismus ist die Ausstellung "Nichts für uns, alles für alle" gewidmet

Strategisch universal präsentierte sich die Ausstellung "Nichts für uns, alles für alle" in den Räumlichkeiten der IG Bildende Kunst in Wien: Das KuratorInnen-Team um Nora Sternfeld und dem GrafikerInnen-Duo "Toledo i Dertschai" ging der Frage nach, inwieweit sich strategischer Universalismus dazu eignet, die essentialisierenden und partikularisierenden Effekte von Identitätspolitik zu überwinden. Schließlich kann es auch ein Akt der Selbstermächtigung sein, als schwarze Frau gegen Antisemitismus die Stimme zu erheben – gerade wenn ihr der hegemoniale Diskurs lediglich die Erlaubnis erteilt über die eigene "Betroffenheit" zu sprechen.

In der dreigliedrigen Ausstellung wurden verschiedene Beispiele von politischem Aktivismus porträtiert: Queere Positionen, verschiedene Prekariatsbewegungen und das Engagement der Zapatistas in Mexiko sollten Wege weisen, wie so ein "politischer Universalismus" aussehen könnte und politisch nutzbar wäre. In einem weiteren Teil der Ausstellung reflektierten die Künstlerinnen Petja Dimitrova, Linda Bilda und Bini Adamczak die gesammelten Positionen in Zeichnungen und Malerei-Arbeiten, wobei diese als politische Medien im Sinne der Möglichkeit ihrer massenhaften Verbreitung verstanden werden.

Symposium

Am 9. und 10. Februar verlief im Rahmen der Ausstellung auch das Symposium "Strategischer Universalismus. Gemeinsame Kämpfe. Politische Gleichheit", bei dem vor allem die Möglichkeit der Allianzenbildung politischer Gruppen diskutiert wurde. Beatrice Achaleke vom Verein Schwarze Frauen Community fragte am Podium, ob Universalismus im 21. Jahrhundert überhaupt noch nötig sei. Marty Huber, Co-Kuratorin und queere Aktivistin, meinte nein und plädierte für einen "Multiversalismus". Als eine Möglichkeit verstanden, sich für etwas jenseits der "eigenen Sache" einzusetzen, bejahte Nora Sternfeld den Gebrauch des Begriffes. Achaleke forderte daraufhin ein, von Solidarität zu sprechen, die jenseits des eigenen Kampfes für andere vorhanden ist.

Viele aktuelle Probleme politischer Arbeit kamen zur Sprache, so auch die Frage, ob der dauernde Aufruf von Identitäten (als Frau, Homosexuelle, Schwarze, etc.) nicht auch als Reproduktion dieser Unterdrückungsverhältnisse zu verstehen sei. Gleichzeitig verliert sich aber durch die Aufgabe von Identitäten der politische Handlungsraum. (red)

Nichts für uns, alles für alle
Strategischer Universalismus und politische Zeichnung

Link

IG Bildende Kunst

  • Petja Dimitrova
aus:
"Allianzt Euch!"
2006Text: "Gendermainstreaming-Beauftragte aller Länder, vereinigt euch!"
    bild: petja dimitrova
    Petja Dimitrova aus: "Allianzt Euch!" 2006
    Text: "Gendermainstreaming-Beauftragte aller Länder, vereinigt euch!"
  • Persson B.
Baumgartinger,
Erika Doucette,
Marty Huber: "Picknickdecke
Queer Snack"
aus: "Mozart auf
Abwegen"
2006
    Persson B. Baumgartinger, Erika Doucette, Marty Huber: "Picknickdecke Queer Snack" aus: "Mozart auf Abwegen" 2006
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