Kritik der Nationalbank an Kroatien-Geschäften der Kärntner Hypo

2. März 2007, 13:15
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Laut Nationalbank soll die Hypo Risikogeschäfte in ihre Consultants-Töchter ausgelagert haben, um sich Eigenkapital zu sparen

Klagenfurt/Wien - Die Kroatien-Geschäfte der Kärntner Hypo Group Alpe Adria sorgen anhaltend für Diskussionen. Laut einem Bericht der Nationalbank soll die Hypo Risikogeschäfte in ihre Consultants-Töchter ausgelagert haben, um sich Eigenkapital zu sparen. Dies sei konzernweit Usus, wie das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner Freitag-Ausgabe berichtet. Dabei ist die Bank gerade dabei, die Consultants Töchter in Österreich und Kroatien zu verkaufen. Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Kulterer weist die Vorwürfe zurück.

Eigenkapital sparen

Das Magazin "Format" bezieht sich in seinem Bericht auf einen vertraulichen Bericht der OeNB aus dem Jahr 2001. Aus dem 76 Seiten umfassenden Nationalbank-Dossier (Geschäftszahl 27 0806/25-V/13/01) wird zitiert: "Die Bank bedient sich - nicht nur in Österreich, sondern auch konzernweit - gewisser Tochterfirmen (Consultants-Gruppe), in die teilweise Problemfälle übertragen werden." Der Grund dafür sei, Risikokredite aus der Bankbilanz herauszunehmen und so Eigenkapital zu sparen.

Die OeNB-Prüfer nahmen 2001 auch die Kroatiengeschäfte unter die Lupe und entdeckten schwere Mängel: "Bei der Bonitätseinholung und bei der Überprüfung der Kreditfähigkeit der Kreditnehmer agiert die Hypo Kroatien nicht vorsichtig genug und kümmert sich auch nicht ausreichend um die Kredit-Abzahlungsdynamik. Es wurde festgestellt, dass die Risikovorsorgen nicht in ausreichendem Ausmaß gebildet wurden und dies zu einem Verlust per 30. 9. 1999 in Höhe von rund 9 Mio. Kuna (18 Mio. Schilling) führte. (Gleichzeitig wies die Bank einen Gewinn von 40 Mio. Kuna aus.)

Rahmenverträge für Garantien

Weiters wurde festgestellt, dass die Rahmenverträge für Garantien und Akkreditive nicht richtig eingebucht wurden. (...) Wie eine Durchsicht der Berichte auch zeigte, wurde gegen eine Anzahl von Ordnungsnormen verstoßen, wie z. B. falsche Bewertung der Währungsreserven, falsche Darstellung der Gruppe verbundener Kunden."

Für Kulterer sind die Vorwürfe "kalter Kaffee". Die von der Nationalbank beanstandeten Mängel seien umgehend behoben worden, die Bank stehe hervorragend da. Ein Zusammenhang zwischen der OeNB-Kritik und dem Verkauf der in den vergangenen Jahren rasant gewachsenen Consultants-Firmen bestehe nicht. Laut Kulterer sind "strategische Überlegungen" der einzige Grund. Die Gesellschaften seien auf Immobiliengeschäfte spezialisiert, man sehe dies nicht mehr als Zukunftsgeschäft. (APA)

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