Telefon-Rufnummernplan vorerst auf Eis gelegt

18. Juli 2000, 16:04

Implementierung überhaupt unsicher - Telekom Austria sieht keinen Vorteil

Der viel diskutierte Telefon-Rufnummernplan ist von Infrastrukturminister Michael Schmid vorerst auf Eis gelegt. Erst im Frühherbst soll bei den Budgetdiskussionen entschieden werden, ob die auf 250 Millionen Schilling (18,2 Mill. Euro) geschätzten Werbe- und Umstellungskosten der Bund oder die Telekom Austria gemeinsam mit den alternativen Festnetz- und Mobilfunkbetreibern tragen, hieß es aus dem Infrastrukturministerium. Falls aber weder Bund noch Telekom-Betreiber die Kosten tragen wollen, werde der Plan in absehbarer Zeit überhaupt nicht implementiert.

Bei der derzeitigen Budgetsituation sei es aber relativ unwahrscheinlich, dass der Bund die Umstellung zahle, hieß es weiter. "Man muss sich fragen, ob der Plan überhaupt sinnvoll ist", sagte der Telekom Austria-Sprecher Martin Bredl. Da es für die Zukunft ausreichend Rufnummern gebe und die Rufnummernanzahl u.a. auf Grund der zunehmenden Konvergenz rückläufig sei, sehe die TA in der kostspieligen Einführung des Plans "keinen Vorteil".

Soll nicht von der Telekom Control verwaltet werden

Für die Umsetzung des Rufnummernplans, dessen Einführung bereits mehrfach verschoben wurde, denkt das Ministerium an die Gründung einer speziellen Gesellschaft, da die Telekom Control für die Realisierung zu wenig Personal habe. Schmid hat den Entwurf des ehemaligen Verkehrsministers Caspar Einem in zwei Punkten verändert. Die bestehenden 1.044 vierstelligen Ortskennzahlen werden jetzt durch 23 (ursprünglich 26) zweistellige Regionalkennzahlen ersetzt, um zusätzlichen Rufnummernbedarf in den großen Städte abdecken zu können. Die zweistelligen Regionalkennzahlen orientieren sich nun an den politischen Bezirks- und Bundeslandgrenzen.

Zwei Drittel aller Telekom-Kunden - nämlich 2,6 Millionen - wären laut TA-Berechnungen von der geplanten Umstellung betroffen. Die Wirtschaft kostet der Rufnummernplan laut einer Arthur D. Little-Studie 5 Milliarden Schilling - 3,6 Milliarden Schilling den Klein- und Mittelbetrieben und 1,4 Milliarden den Großunternehmen - , die TA müsste 2,3 Milliarden aufwenden.

Der Rufnummernplan war ursprünglich von den alternativen Betreibern urgiert worden, da man glaubte, dass der TA in absehbarer Zeit die neu zu vergebenden Rufnummern ausgehen würden. Als Vorteil des Rufnummernplans gilt vor allem die Transparenz, da die Nummern dann gleich lang und Notrufe sowie Mehrwertdienste klar erkennbar sind. (red/APA)

Share if you care.