Super, ursuper, Super Bowl

8. März 2007, 16:01
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41. Football-Finale steigt am Sonntag in Miami. 140 Millionen Amerikaner sehen essend und trinkend zu. Colts hoher Favorit

Miami - Bei manchen Rekorden fragt man sich ja, wer den Rekord als solchen festgestellt hat. Die 14.500 Tonnen Kartoffelchips, 4000 Tonnen Popcorn und rund 3,3 Milliarden Flaschen Bier, die am Sonntag in den USA konsumiert werden sollen, hat sie irgendjemand gezählt? Egal, in Miami steigt die 41. Super Bowl oder, richtig, die Super Bowl XLI, natürlich muss sie noch superer, noch larger sein, als die Super Bowl vor einem Jahr war, und die war schon XL.

Vielleicht sind ja die Superlative nur Teil des enormen Werbetrommelwirbels. Die sportliche Aufregung vor dem Duell der Indianapolis Colts mit den Chicago Bears in der Nacht auf Montag (23.55 Uhr, ORF 1) hält sich schließlich in Grenzen. Die Colts sind 6:1-Favorit. Historisch wird das Endspiel in jedem Fall, erstmals wird ein afroamerikanischer Headcoach gewinnen, entweder Tony Dungy (Indianapolis Colts) oder Lovie Smith (Chicago Bears).

Für die Protagonisten geht es um 75.000 Dollar Siegprämie pro Kopf und natürlich um Schmuckstücke. Die begehrten Super-Bowl-Ringe für die Sieger des Abends garantieren ihren Besitzern in den USA ein Leben lang den Status des Volkshelden.

Doch für 140 Millionen Amerikaner (geschätzt, nicht gezählt) an den TV-Geräten geht es am Sonntag vor allem um eines: eine schier endlose Football-Party. Mit mehr als 60 Stunden Vorberichterstattung brüstet sich der Liga-eigene Kanal NFL-Network. Der übertragende Sender CBS nutzt die Football-Manie derweil als sprudelnde Geldquelle: 30 Sekunden Werbezeit zum Freundschaftspreis von 2,6 Millionen Dollar bedeuten - erraten - Bestmarke. Auch im Austragungsort Miami regiert an diesem Wochenende der Dollar. Wer bei der Jagd nach Tickets für das Spiel samt Show - Billy Joel singt die Hymne, Prince tritt in der Pause auf - leer ausging, ist auf dem Schwarzmarkt ab 2000 Dollar dabei. Luxusboxen gingen für eine halbe Million Dollar an die Kunden.

Ob die Teams den Ansprüchen gerecht werden, bleibt abzuwarten. Vor allem von Indianapolis wird Großes erwartet. Quarterback Peyton Manning führt die Colts an, freilich gibt's Zweifel an der Nervenstärke des 30-jährigen Spielmachers. Manning gibt sich kämpferisch: "Wir müssen am Sonntag Dreck fressen, um am Ende zu triumphieren." Vor allem die Unerfahrenheit seines Gegenübers Rex Grossman spricht für einen Sieg der Colts, die das letzte Aufeinandertreffen vor gut zwei Jahren mit 41:10 gewannen.

Zu den weltweit unzähligen Super-Bowl-Partys zählen jene der Turek Graz Giants im Citypark und jene der Dodge Vienna Vikings im Hotel Marriott. Das Wiener Fest ist sogar das allergrößte in Europa. Garantiert. (fri, sid - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.2. 2007)

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    Gestatten, Merlin mein Name, ich bin ein Großer Tümmler und in Vallejo, Kalifornien, daheim. Ein Highlight in meinem urlustigen Leben spielt sich immer um diese Jahreszeit ab, da werfen Menschen zwei Footbälle in mein Becken, und ich suche mir einen aus. In drei von vier Fällen liege ich richtig, die Indianapolis Colts sind also Super-Bowl-Favorit.

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