Unternehmen fährt Rekorde ein

1. Februar 2007, 19:11
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Trotz der Verdoppelung des Ergebnisses 2006 auf 30 Millionen Euro stieg der Schulden­stand, 2010 könnte er bei 14 Milliarden liegen

Wien - Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben 2006 ihr Vorsteuerergebnis (EGT) von 13 auf über 30 Mio. Euro erhöht, die Gesamterträge wurden um sechs Prozent auf 5,3 Mrd. Euro gesteigert. Gleichzeitig wuchs der Schuldenstand um 1,3 Mrd. auf 7,7 Mrd. Euro an, geht aus den am Mittwochabend vorgelegten vorläufigen Bilanzzahlen der Staatsbahn für 2006 hervor.

Sowohl beim Personen- wie Güterverkehr wurde ein Rekord eingefahren. Der Umsatz im Personentransport stieg von 1,85 auf 1,9 Mrd. Euro. Insgesamt verzeichnete die Bahn ein Plus von 6 Mio. Fahrgästen, davon 4 Mio. auf der Schiene, der Rest entfiel auf den Postbus. Im Nahverkehr gab es demnach einen Anstieg von 2 Prozent, im Fernverkehr von 3,2 Prozent. Insgesamt beförderte die Bahn im Vorjahr 443 Mio. Fahrgäste.

Im Güterverkehr wurde ein Zuwachs von 10 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro erzielt. 93 Mio. Tonnen Güter wurden im Vorjahr durch die Bundesbahnen transportiert. Mittlerweile hat das Unternehmen Beteiligungen in 21 Ländern, 75 Prozent des Gesamtgüterverkehrs entfällt auf internationale Transporte. So wurde für die deutsche Handelskette Lidl die komplette Logistik in Ungarn übernommen. Derzeit ist die Bahn nach Eigenangaben in Südosteuropa bei den beförderten Tonnagen die Nummer Drei, bis 2010 will sie führend sein.

Mitarbeiter-Abbau

Die Gesamterträge pro Mitarbeiter stiegen von 92.000 Euro im Jahr 2004 auf 106.000 Euro im Jahr 2005. Im Vorjahr betrugen sie 126.000 Euro, erklärt ÖBB-Chef Martin Huber Mittwochabend. Derzeit beschäftigt die Bahn 43.700 Mitarbeiter, in drei Jahren sollen es unter 40.000 sein. "Die Leistungen pro Mitarbeiter müssen steigen", betonte Huber.

Kräftig steigen wird jedenfalls auch der Schuldenstand. Lag er 2005 noch bei 6,4 Mrd. Euro, wird er 2010 voraussichtlich bei 13 bis 14 Mrd. Euro liegen, so Co-Vorstand Erich Söllinger. Den Schulden stehen jährliche Investitionen von über 2 Mrd. Euro gegenüber. Details zu den Erlösen aus Immobilienverkäufen, der Höhe der Rückstellungen und der Entwicklung des Kreditvolumens folgen bei der offiziellen Bilanzpräsentation im April.

Zum Vergleich: Die staatliche Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag hat derzeit einen Schuldenstand von gut 10 Mrd. Euro, Tendenz steigend.

Entschuldung

Söllinger betonte, dass die Bahn wegen der gemeinwirtschaftlichen Leistungen nie schuldenfrei unterwegs sein kann - dies sei in keinem europäischen Land der Fall. Die Politik werde jedenfalls "irgendwann über eine Entschuldung der Bahn nachdenken müssen". Die Zinsbelastung der Bahnkredite liegt bei rund 4,5 Prozent, jede Mrd. Fremdkapital kostet also jährlich zusätzliche 45 Mio. Euro.

Der Staat schießt in den nächsten Jahren jährlich 1,5 Mrd. Euro der Bahn zu, womit die ÖBB ihre Infrastrukturausgaben sowie gemeinwirtschaftliche Leistungen wie Schülerfahrten finanzieren. Dazu kommen noch knapp 100 Mio. Euro aus ÖBB-Infrastrukturerlösen. Zusätzlich überweist der Bund jährlich 1,3 Mrd. Euro an Pensionszahlungen, bei denen die ÖBB lediglich als Durchlaufposten fungieren. Weiters kommen 360 Mio. Euro an Zinszuschüssen aus dem Budget. Diese verhindern laut Söllinger ein Anknabbern des Eigenkapitals von derzeit rund 9 Mrd. Euro.

Überarbeitung des Generalverkehrsplans

Die ÖBB haben jedenfalls reagiert und dem neuen Verkehrsminister Werner Faymann einen Überarbeitung des Generalverkehrsplans vorgelegt. "Wir haben gewisse Projekte zurückgeschoben oder gestrichen", so Martin Huber Mittwochabend. Welche dies sind, wollte er noch nicht verraten - nun müsse sich der Minister einmal eine Meinung bilden.

Der geplante Wiener Hauptbahnhof sei jedenfalls "quasi finanziert, da sollte nichts mehr passieren", meinte der ehemalige Baumanager. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, wonach ein Baustopp beim Koralmtunnel auch das Ende des Hauptbahnhofes wäre. Dies dementierte Huber. Viel wichtiger für den neuen Bahnhof am Geländes des jetzigen Südbahnhofes sei der vierspurige Ausbau der Westbahn. 2012 will Huber Wien-St-Pölten-Linz-Salzburg in 2 Stunden und 15 Minuten schaffen.

Pünktlichkeit

Weiters will Huber die Pünktlichkeit bis 2010 von derzeit 90 auf 98 Prozent erhöhen. Zusätzlich sollen die Bahnhöfe flächendeckend mit Videoüberwachung ausgestattet werden. Zu den Kundenbeschwerden über die neuen "Talent"-Zuggarnituren meinte Huber, dass seine Vorgänger wohl beim Kauf zu sehr gespart hätten, wodurch nun der Komfort leide. Die Probleme seien aber bereits behoben.

Keine Probleme ortet Huber hingegen im Management. Personelle Veränderungen stünden zwar nicht an, eine Organsiation unterliege aber "immer einem dynamischen Prozess", so der Nachsatz. Die Zusammenarbeit mit Personenverkehrs-Chefin Wilhelmine Goldmann, mit der Huber so manchen Streit ausgetragen hat, sei tadellos.

Unumstritten scheint aber auf jeden Fall der Chefposten von Huber zu sein. Zwar hatte ihn die SPÖ noch zu Oppositionszeiten heftig kritisiert, Verkehrsminister Faymann stellte aber nach Amtsantritt klar, dass er hinter Huber stehe: "Ich habe eine sachliche Zusammenarbeit mit ihm und bin überzeugt, wir können viele Probleme lösen." (APA)

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ÖBB
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    foto: öbb
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