Schlögl im STANDARD-Interview: "SPÖ hat dazugelernt"

1. März 2007, 09:58
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Ex-Innenminister Karl Schlögl unterstützt im STANDARD-Interview Gusenbauer - Rot-Blau müsse Alternative zu Schwarz-Grün werden

Karl Schlögl, roter Cheerleader für eine Öffnung gegenüber der FPÖ, unterstützt Kanzler Alfred Gusenbauer. Rot-Blau muss die Alternative zu Schwarz-Grün werden, erklärte er Barbara Tóth.

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STANDARD: Herr Schlögl, Sie haben immer für eine Öffnung der SPÖ gegenüber der FPÖ plädiert. Wie beurteilen Sie die Debatte rund um die Jugendbilder Heinz-Christian Straches?

Schlögl: Man muss das unter zweierlei Gesichtspunkten sehen. Einerseits ist Antifaschismus einer, wenn nicht der wichtigste Grundpfeiler der Sozialdemokratie. Andererseits, was die Person Strache betrifft, muss ich erfreut feststellen, dass es in der SPÖ schon seit Längerem, zumindest aber in den letzten Monaten, einen Einstellungswandel zur FPÖ gibt.

STANDARD: Sie fühlen sich in Ihrer Linie bestätigt?

Schlögl: Dieser Einstellungswandel erfasst alle Kräfte, auch einen Caspar Einem, der inzwischen auch sagt, dass die Abgrenzung zu weit gegangen ist. Die SPÖ hat in den letzten sieben Jahren dazugelernt und ist nun offener gegenüber anderen politischen Kräften. Das ist sicher auch das Ergebnis der Kontakte der letzten Wochen und Monate in Sachen Regierungsbildung.

STANDARD: Reicht Ihnen Straches Erklärung aus?

Schlögl: Für jemanden, der in dieses Eck gestellt wird, ist eine Erklärung entscheidend und wichtig. Sie war ein erster guter Schritt, aber sie war zu wenig. Die Stürmer-Aussage (Anm.: Strache verglich die Medienberichterstattung über ihn mit den Methoden des NS-Kampfblattes) haben die positiven Aspekte ins schlechte Licht gestellt. Aber man sollte Straches Haltung nicht alleine an angeblichen Teilnahmen an derartigen Aktionen messen. Jeder hat seinen Lebenslauf. Was man etwa einem Peter Pilz zubilligt – dazugelernt zu haben – , muss man auch Strache zubilligen.

STANDARD: Kritiker meinen, Gusenbauer will sich nur eine strategische Option in Richtung Rot-Blau offen halten.

Schlögl: Die SPÖ hat 2000 schwere Fehler gemacht. Schwarz-Blau wäre nicht entstanden, wenn die SPÖ damals in Richtung FPÖ offener gewesen wäre. Sie ist deshalb gut beraten, diese Offenheit jetzt zu leben. In Zukunft wird eine schwarz-grüne Regierung mindestens genauso möglich sein wie eine rot-blaue. Zumindest für mich stellt sich das so dar. Wenn es Strache nicht verhindert hätte, gäbe es jetzt eine ÖVP-FPÖ-BZÖ-Regierung.

STANDARD: Sie sind Bürgermeister in Purkersdorf, Sie kennen die Stimmung an der Basis. Wie groß ist die Empörung über Gusenbauer?

Schlögl: Die Basis war immer für eine Öffnung Richtung FPÖ, die mittlere Funktionärsschicht und die Spitze waren skeptisch. Ich höre in dieser Frage eher Verständnis für Gusenbauer. (DER STANDARD, Printausgabe 1.2.2007)

Zur Person

Karl Schlögl (52) war von 1997 bis 2000 Innenminister. In seine Amtszeit fielen der Fall Omofuma und Operation Spring.

  • Ex-Innenminister Karl Schlögl sieht einen "Einstellungswandel" bei der SPÖ: " Die SPÖ hat in den letzten sieben Jahren dazugelernt und ist nun offener gegenüber anderen politischen Kräften. Das ist sicher auch das Ergebnis der Kontakte der letzten Wochen und Monate in Sachen Regierungsbildung."
    foto: standard/newald

    Ex-Innenminister Karl Schlögl sieht einen "Einstellungswandel" bei der SPÖ: " Die SPÖ hat in den letzten sieben Jahren dazugelernt und ist nun offener gegenüber anderen politischen Kräften. Das ist sicher auch das Ergebnis der Kontakte der letzten Wochen und Monate in Sachen Regierungsbildung."

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