Zornig, cool oder dumm?

28. März 2007, 14:59
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Zu Gerhard Mangotts Iran-Befund (25.1.) - Eine Erwiderung von Bernd Marin

Gerhard Mangott ist ein Kollege, den ich schätze. Doch der supercoole Realpolitikanalyse-Gestus seiner Erwiderung ( Der Zorn, der keine Erkenntnis bringt) auf meine vorwöchige Kolumne ist vielleicht der Debatte um Putins Energiepolitik angemessen, nicht aber gegenüber dem Islamo-Faschismus des Iran.

Er sieht selbst, "dass Ahmadi-Nejad totalitären Wahnideen anhängt" und "eine nukleare Bewaffnung Irans die nukleare Option für Saudi-Arabien, Ägypten, Syrien und die Türkei zwingend macht".

Diese Analyse teilen wir. Und auch die Sorge, wie wir "jene (...) die wir zu Recht als bedrohlich und gewaltbereit begreifen müssen", in ihren "Wahnideen" einbremsen können. Ich bin auch, entgegen Mangotts Unterstellungen, nicht dafür, "sich dem Dialog zu verweigern", sondern nur gegen publikumswirksame rituelle Pseudodialoge. Und seine Behauptung, ich hätte "militärische Luftschläge angemahnt" ist schlicht aus der Luft gegriffen (ich war gegen den Irak-Krieg).

Wir unterscheiden uns eigentlich nur, aber doch darin: Mangott ist für "Verhandlung-en (...) ohne Vorbedingungen", damit die Mullahs nicht ihr "Gesicht verlieren", während ich "Zugeständnisse" auch als Konsequenz "harter, aber intelligenter Sanktionen" erwarte. Er will "die nukleare Bewaffnung Irans (...) wenn möglich (...) verhindern", ich auf jeden Fall. Und ja, ich bin zornig. Wie Bürger von Aristoteles bis Sloterdijk. Aber nicht "dumm" genug, diesen Zorn für "heilig" zu halten oder mich den "Mühen der Erkenntnis zu entziehen", im Gegenteil.

Eben deshalb kann ich auch seiner letzten, einzigen Hoffnung gegen den, wie er sagt, "fanatisierten Gewaltrhetoriker" Ahmadi-Nejad, nämlich dass "mit Rafsandjani, Chamenei und Larijani andere Machtzentren entgegenstehen und ihn einhegen", nicht teilen. Sich von diesem "Einhegen" wirksamen Widerstand gegen den Präsidenten in der Atomfrage zu versprechen, ist kein verlässlicher "Baustein sicherheitspolitischer Analyse". Auf solchen Flugsand an Illusion zu bauen, dafür ist der Weltfriede zu kostbar - und das Mullah-Regime in seiner Gesamtheit zu wirrköpfig. (DER STANDARD, Print, 29.01.2007)

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