Dollfuß' Demontage

2. Februar 2007, 15:00
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Gusenbauer ließ Bild im Bundeskanzleramt entfernen

Wien - Dass die ÖVP den von den Nazis ermordeten Ständestaat-Kanzler Engelbert Dollfuß nach wie vor wie einen Säulenheiligen verehrt, war der SPÖ stets ein Dorn im Auge. Schließlich hatte Dollfuß 1933 Parlament und Demokratie abgeschafft und einen Aufstand der Sozialdemokraten 1934 blutig niedergeschlagen. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat mit einer Tradition Schluss gemacht, die sein Amtsvorgänger Wolfgang Schüssel noch hochgehalten hat: Im nunmehr roten Kanzleramt ist man schließlich zur Tat geschritten und hat ein Dollfuß-Foto von der Wand genommen. Übrig geblieben sind nur noch eine erloschene Kerze und eine 1966 angebrachte Bodeneinlassung, die an den Ort erinnert, an dem der autoritär regierende Kanzler im Juli 1934 verblutete.

Dafür durfte ein neuer Säulenheiliger ins Kanzleramt einziehen: Das Arbeitszimmer der Bundeskanzler bis Viktor Klima heißt neuerdings nach dem großen Vorbild des neuen Hausherren Gusenbauer "Kreisky-Zimmer" und wurde wieder mit Original-Möbeln aus den 50er Jahren ausgestattet. Schüssel war 2000 aus dem dunklen Zimmer mit dem Beinamen "Zigarrenkistl" in hellere Räumlichkeiten übersiedelt. Gusenbauer bleibt im Schüssel-Büro, das "Kreisky-Zimmer" dient als Besprechungsraum. (red, DER STANDARD, Printausgabe 27./28.1.2007)

  • Unter der ÖVP wurde die Erinnerung an Dollfuß hochgehalten, unter der SPÖ wurde das Bild abgenommen. Übrig bleibt eine Kerze.
    fotos: newald / cremer

    Unter der ÖVP wurde die Erinnerung an Dollfuß hochgehalten, unter der SPÖ wurde das Bild abgenommen. Übrig bleibt eine Kerze.

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