Aubauer: Grasser soll VP-Perspektiven mit erarbeiten

27. Juni 2007, 12:05
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Die ÖVP-Abgeordnete im derStandard.at- Interview über Zukunft und Schneekugel- Aktionismus - Mit Wordrap

Gertrude Aubauer ist im Parlament "zu Hause". Sie hat seit vielen Jahren für den ORF aus dem Hohen Haus berichtet und ist nun selbst Abgeordnete. Im Interview mit derStandard.at erklärt die ÖVP-Politikerin, welche Ziele sie sich als Mitglied der schwarzen Perspektivengruppe gesetzt hat und lädt Karl-Heinz Grasser zur Mitarbeit ein. Die Fragen stellten Rainer Schüller und Manuela Honsig-Erlenburg.

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derStandard.at: Sie sollen in der ÖVP-Perspektivengruppe mit Silvia Fuhrmann "Konflikte zwischen Alt und Jung" vermeiden. Wie wollen Sie das schaffen?

Aubauer: Wir wollen Konflikte gar nicht aufkommen lassen. Auftretende Probleme wollen wir gemeinsam lösen.

Die Leitlinie ist, dass die älteren Generationen gut leben können, so wie sie es verdienen, aber auch die Jungen zufrieden sind. Das wird vermutlich nicht so einfach werden.

derStandard.at: Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hatte in ihrer Amtszeit mit dem Motto "Kinder statt Parties" die Jungen verärgert. Sind Sie auch ein Partymuffel?

Aubauer: Ich bin kein Partymuffel. Ich gehe gern unter Leute und bin ein sehr kommunikativer Mensch. Allgemein bin ich für größtmögliche Freiheit. Jeder sollte so leben, wie er möchte. Der eine entscheidet sich für Kinder, der andere eben nicht.

derStandard.at: Die neue Gesundheitsministerin hat mit früheren Aussagen über Kinder innerhalb der ÖVP für Aufregung gesorgt. War die Kritik an ihr gerechtfertigt?

Aubauer: Was mir an ihr gefällt ist, dass sie sich sagen traut, was sie sich denkt. Das ist eine tolle Leistung. Man soll immer sagen, was man denkt, und das dann leben.

derStandard.at: Was denken Sie: Ist man heutzutage kein wertvolles Mitglied der Gesellschaft, wenn man keine Kinder hat?

Aubauer: Also das weise ich auf das strikteste zurück. Die, die keine Kinder haben, werden schon ihre Gründe haben. Man muss sich da immer fragen, was der Grund ist. Vielleicht, weil man es mit dem Job nicht vereinbaren kann. Wer ein Kind will, wird immer Möglichkeiten finden. Es gibt ja auch Betreuungsmöglichkeiten. Ich hatte das Glück, dass ich meinen Sohn zur Oma geben konnte. Aber manche fühlen sich da vielleicht überfordert. Da muss man Hilfe anbieten.

derStandard.at: Welche Hilfen bietet die Perspektivengruppe an?

Aubauer: Hier ist unter Mikl-Leitner eine Gruppe, der ich viel zutraue. Den Sinn der Perspektivgruppe sehe ich auch darin, dass man sich sehr viel Neues hereinholt. Also: Herein, herein mit bunten Ideen und bunten Blumen und schaun wir mal. Es muss alles möglich sein.

derStandard.at: Die ÖVP will sich also künftig auch mehr um Personen kümmern, die nicht nach dem traditionellen Familienbild leben?

Aubauer: Die sollen jetzt alle einmal kommen und sagen, wie sie es sich vorstellen. Reden, reden, reden. Am Ende werden wir sehen, wie es geht.

derStandard.at: Das heißt, es soll auch bei der Homosexuellen-Ehe etwas weiter gebracht werden?

Aubauer: Wir stehen genau am Anfang. Silvia (Fuhrmann) und ich steigen gerade auf das Tandem. Prinzipiell kann ich mir nicht vorstellen, dass man Partnerschaften in irgendwelchen Rechtsbereichen diskriminiert. Wie weit das geht und welchen Namen das dann hat, steht am Ende. Lasst die bunten Blumen kommen!

derStandard.at: Aufregung gab es innerhalb der ÖVP auch darüber, dass Karl-Heinz Grasser nicht Vizekanzler und Finanzminister bzw. ÖVP-Chef wurde. Vermissen Sie ihn?

Aubauer: Ich halte ihn für einen sehr menschlichen, kreativen und guten Politiker. Ich werde ihn fragen, ob er in die Perspektivengruppe Ideen einbringt und als Experte zur Verfügung steht. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Vielleicht will er ja.

derStandard.at: Sie selbst waren jahrelang im ORF tätig und schreiben jetzt eine Kolumne für die Kronen Zeitung. Lässt sich eine journalistische Tätigkeit mit einer parteipolitischen vereinbaren?

Aubauer: Prinzipiell ist Journalist ein Beruf wie jeder andere. Abgeordnete haben kein Berufsverbot und deshalb werde ich meinen Beruf weiter pflegen. Die Kolumne ist keine Meinungskolumne, sondern die Leser können den Politikern Fragen stellen und ich gebe diese weiter und veröffentliche dann die Antworten. Ich bin hier nur Postbote, und es kommt jede Partei gleich oft vor.

derStandard.at: Im Parlament haben Sie zuletzt für Aufmerksamkeit gesorgt, indem Sie eine Schneekugel als Einstieg für Ihre Rede verwendet haben ...

Aubauer: Ja, die hab ich auch hier im Büro. Das Bild passt so schön, weil es den Blick frei gibt auf die Göttin der Weisheit.

derStandard.at: Ist noch mehr Aktionismus von Ihnen zu erwarten?

Aubauer: Wenn es den Kern trifft, ja durchaus. Taferln mit Zahlen werde ich jedoch nicht verwenden.

derStandard.at: Quereinsteiger haben in der Politik üblicherweise eine kurze Lebensdauer. Wieso glauben Sie, eine Ausnahme der Regel zu sein?

Aubauer: Eine Quereinsteigerin wird sich nur dann länger halten, wenn sie den Erfolg aus einem anderen Beruf auf die Politik umlegen kann. Ich genieße einen Startvorteil, weil ich Parlament und Procedere gut kenne. Daher bin ich zuversichtlich, dass ich für unsere Senioren bestmögliche Lösungen mitgestalten kann. Zustimmung ergibt sich dann automatisch.

Zur Person: Gertrude Aubauer ist neue Nationalratsabgeordnete für die ÖVP. Sie wurde von Ex-Kanzler Schüssel als Quereinsteigerin in die Politik geholt. Davor war sie jahrelang im ORF tätig: Von 1986 bis 1994 moderierte sie die "Zeit im Bild 1", ab 1995 war Aubauer Mitglied der ORF-Parlamentsredaktion und moderierte die wöchentliche Sendung "Hohes Haus". Als "Parlamentsinsiderin" schreibt sie in der "Kronen Zeitung" auch eine wöchentliche Kolumne. Aubauer ist Autorin von zwei Büchern und arbeitet als Trainerin für Fernseh-Interviews und Rhetorik.
  • Gertrude Aubauer im derStandard.at-Wordrap über Rot-Schwarz, Gusenbauer, ÖVP, SPÖ, Wehrsportübungen, Paintball, Homosexuellen-Ehe, Grasser oder Molterer, Gott und Schneekugel.

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