Wiener Imam erneut mit Extremismus-Vorwürfen konfrontiert

25. Jänner 2007, 18:13
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Neue Tonbänder aufgetaucht - Prediger bestreitet: Übersetzungen aus dem Zusammenhang gerissen

Wien - Die Vorwürfe gegen den Wiener Imam Scheich Adnan Ibrahim ziehen weitere Kreise. Nachdem Ende Dezember bereits eine anonyme Anzeige wegen zweier islamischer Rechtsgutachten (Fatwas) gegen Ibrahim eingereicht wurde, sieht sich der Prediger nun mit Tonbandmitschnitten konfrontiert, in denen er angeblich zum Heiligen Krieg aufruft. Ibrahim selbst weist in einer Stellungnahme alle Vorwürfe von sich.

Begonnen hatte der Wirbel am 29. Dezember 2006 mit der anonymen Anzeige wegen des Verdachts des Terrorismus und des Aufruhrs. Ibrahim soll in zwei Fatwas nicht-moslemische Staaten als "Länder des Krieges" bezeichnet und Eheschließung von Moslems und Andersgläubigen abgelehnt haben, um zu verhindern, dass "fremdes Blut in die Nachkommen" fließt.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IG) verteidigte Ibrahim damals: "Dieser Gelehrte genießt inzwischen weit über Österreich hinaus einen ausgezeichneten Ruf wegen seiner aufgeklärten und liberalen Haltung." Die Staatsanwaltschaft und das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ermitteln dennoch seit Ende Dezember gegen den Imam.

Laut einem Interview mit der "Wiener Zeitung" bestätigte Ibrahim am 11. Jänner zwar, die Ehe-Fatwa vor zehn Jahren geschrieben zu haben. Er habe seine Meinung mittlerweile aber geändert. Am vergangenen Montag veröffentlichte nun das Nachrichtenmagazin "Profil" übersetzte Tonbandaufzeichnungen von Predigten des Imam, in denen dieser scheinbar den Heiligen Krieg im Irak und Palästina verteidigt und Aufrufe wie "Lasst uns als Märtyrer sterben!" proklamiert.

Übersetzungen aus dem Zusammenhang gerissen

Ibrahim bezeichnet in einer der APA vorliegenden Stellungnahme die aufgetauchten Übersetzungen als aus dem Zusammenhang gerissen. Entfallen seien seine Verurteilung des Angriffs gegen Zivilisten. Er distanziere sich von Gewalt und Terror, so Ibrahim weiter - das betreffe auch die Anschläge von New York, Madrid und London: "Es gibt keinerlei Legitimation für solche Taten. Sie sind ein Verbrechen."

Er habe nach den Anschlägen von London eine "Antiterror-Fatwa" erlassen und sich immer für die Rechte der Frauen eingesetzt: "Richtig ist, dass ich mir eine demokratische und pluralistische Struktur wünsche und für die Freiheit der Bürger eintrete."

Der 41-jährige Scheich Adnan Ibrahim wurde 1966 in Palästina geboren und studierte in Sarajevo Medizin. Seit 1995 lebt er in Wien. Nach seiner Ernennung zum Imam arbeitete er zunächst in der Hidaya-Moschee, wo er jedoch im Streit schied. Seit 2002 predigt er in der Al-Schura-Moschee in der Leopoldstadt. Bereits seit 2000 unterrichtet Ibrahim an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie außerdem angehende islamische Religionslehrer. (APA)

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