Gusenbauer: Strache aus Jugend­torheiten keinen Strick drehen

10. August 2007, 14:04
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Bundeskanzler zu umstrittenen Fotos des FPÖ-Chefs: "Wichtig ist, wie er heute dazu steht" - Strache: "Gezielte Kampagne" - Mit Video

Wien - Überraschend milde hat Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Mittwoch nach dem Ministerrat die zuletzt aufgetauchten Fotos beurteilt, auf denen FP-Chef Heinz Christian Strache bei einer wehrsportübungsähnlichen Veranstaltung zu sehen ist. Gusenbauer sprach von "Jugendtorheiten", aus denen man "Strache keinen Strick drehen" dürfe. "Wichtig ist, wie er heute dazu steht", forderte Gusenbauer von FP-Chef ein klares Bekenntnis zur Demokratie und eine Verurteilung der NS-Verbrechen ein.

Angesprochen auf die Aussage Straches, wonach nicht auszuschließen sei, dass es auch Fotos gebe, auf denen er mit dem Hitlergruß zu sehen ist, sagte Gusenbauer wörtlich: "Würde es solche Bilder geben, wäre das nicht gut. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, wie alt der Herr Strache damals war." Sollte es solche Bilder geben, hätte Strache jedenfalls großen Bedarf, die eigenen Vergangenheit zu bewältigen, meinte Gusenbauer.

FPÖ-Chef sieht "gezielte Kampagne"

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gerät in der Foto-Affäre immer mehr unter Druck. Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der zweitägigen FPÖ-Klubklausur in Waidhofen an der Ybbs danach gefragt, ob er ausschließen kann, jemals die Hand zum Hitlergruß erhoben zu haben, verweigerte er die Antwort auf die "ganz gemeinen und miesen Suggestivfragen". Er sprach von "Gerüchten und Hypothesen" und einer "gezielten Kampagne" gegen seine Person. "Hören Sie bitte auf damit", so Strache,

Dienstag Abend hatte Strache ein Hitlergruß-Foto nicht dezidiert ausgeschlossen und gemeint, dass er sich das nicht vorstellen könne. Er könne "dumme Fotos", die es geben könnte, nicht ausschließen, sagte der Parteichef am Mittwoch erneut. Er sei zur Zeit, als die in der Öffentlichkeit bekannten Fotos in Uniform entstanden seien, ein junger Mensch gewesen und habe vielleicht nicht die nötige Reife gehabt. Es solle aber jener den ersten Stein werfen, der nie Dummheiten gemacht hat. Er habe "nichts Verbotenes" gemacht und sich von NS-Gedankengut immer distanziert, verteidigte sich Strache.

Es werde wahrscheinlich hunderte Fotos von ihm geben, die er nicht kenne. Und "nach 20 Jahren hat man so seine Probleme, sich zu erinnern". Vielleicht gebe es auch Bilder in Unterhose von ihm, so Strache, der eine gezielte Kampagne gegen seine Person ortete. Es gebe offenbar Versuche, ihn zu diskreditieren und zu beschädigen, sagte der Parteichef mit Verweis auf die jüngst aufgetauchte Geschichte, wonach er einen verschwenderischen Lebensstil habe. Rücktrittsaufforderungen wies er zurück. (APA)

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    Strache, als er nach eigenen Aussagen noch ein "dummer Bub" war.

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