Erste Klage gegen Liftbetreiber

28. Jänner 2007, 18:25
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Immer mehr verhinderte Skiurlauber wollen Entschädigung für braune Flecken statt weißer Pisten - mit Grafik

Wien/Klagenfurt/Bregenz - "Es bleibt allgemein winterlich mit wiederholtem Schneefall in ganz Österreich." Diese Wettervorhersage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wird in Wintersportorten ähnlich gefeiert wie die erste Mondlandung 1969 im Nasa-Kontrollzentrum in Houston. Der Winter ist gelandet, gerade noch rechtzeitig vor den Semesterferien. Für viele kommt der Schnee aber zu spät, weil der Urlaub bereits verbraucht ist. Immer mehr wollen ihr Geld zurück, wenn es braune Flecken statt weißer Piste gibt.

Der Wiener Rechtsanwalt Hannes Füreder vertritt eine Skifahrerin, die das Geld für eine Wochen-Skiliftkarte zivilrechtlich eingeklagt hat. Es geht um 550 Euro, die die Frau für sich und zwei Kinder in einem Vorarlberger Skigebiet hingeblättert hatte. Auf den Bretteln sind die Gäste aber wegen der schlechten Pistenverhältnisse nur selten gestanden. Geld zurück gab es nicht, fürs Wetter könne man ja nichts, so die sinngemäße Begründung des Liftbetreibers.

"Die Liftgesellschaft trifft die Pflicht, ihre Kunden über die Verhältnisse im Skigebiet aufzuklären", erklärt Anwalt Füreder. Beim Kauf einer Liftkarte komme ein Beförderungsvertrag zustande, dem Nebenpflichten immanent seien. Und dazu gehöre eben auch die Info, ob eine Piste befahrbar sei oder nicht. Unterlasse der Liftbetreiber die gebotene Aufklärung, habe er es zu verantworten, wenn der Kunde einem Irrtum über den Zustand der Piste unterliege. "Hätte der Kunde die Liftkarte nicht gekauft, wenn er informiert worden wäre, kann er sein Geld zurückfordern", argumentiert Füreder.

Eigenverantwortung
Empfehlungen oder gar Regeln, wie die Branche die schwierigen Bedingungen des heurigen Winters gegenüber den Kunden kommunizieren soll, gebe es nicht, erklärt Ingo Karl, Obmann der Fachgruppe Seilbahnen in der Wirtschaftskammer. Zugleich verweist Karl auf übliche Standards und erläutert diese anhand seines eigenen Skigebiets in St. Johann in Tirol. Dazu gehören Infotafeln im Kassenbereich, die anzeigen, welche Pisten offen oder für Durchschnittsfahrer gesperrt sind. Sobald Pistenteile gesperrt seien, würden Preise gesenkt, betont Karl. Er verweist auch darauf, dass in vielen Talstationen über Webcams Wetter- und Schneedaten angezeigt würden und Infos oft schon zuhause per Internet greifbar seien. "Wenn viele Leute bei einer Kasse anstehen, kann es schon vorkommen, dass der Kunde nicht auch noch mündlich über Einschränkungen informiert wird", meint Karl ohne auf den konkreten Klagsfall einzugehen. Er appelliert generell an die Eigenverantwortung der Kunden.

Einfacher ist es jedenfalls für Kunden, die ihren Skiurlaub über Reiseveranstalter gebucht haben. Fällt die Wedelwoche ins Wasser, kann Ersatz für die entgangene Urlaubsfreude geltend gemacht werden. Bei weggeschmolzener Schneegarantie kann auch kostenlos storniert werden.

Der Wintereinbruch war vor allem in Südösterreich unerwartet heftig. In Kärnten wurden unter der Last des nassen Schnees Bäume geknickt, es gab unpassierbare Straßen mit kilometerlangen Staus sowie massive Stromausfälle. Im oberen Gailtal fielen Dienstag 60 Zentimeter Neuschnee. (Hannes Schlosser, Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 24.01.2007)

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