Mario Corti verteidigt sich

12. März 2007, 10:52
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Der letzte Swissair-Chef wies am Montag die Anklagepunkte zurück - Den Vorschusslohn von zwölf Millionen Franken bestätigte er

Bülach - Der letzte Swissair-Chef Mario Corti hat am Montag vor dem Strafgericht in Bülach ausgesagt. Er wies die Vorwürfe der Zürcher Staatsanwaltschaft zurück. Corti wird Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung, ungetreue Geschäftsbesorgung, unwahre Angaben über kaufmännisches Gewerbe, Misswirtschaft und Gläubigerbevorzugung vorgeworfen. Corti hatte die Führung der Fluglinie im März 2001, sieben Monate vor dem Milliardenkonkurs, übernommen.

Nun verteidigte Corti vor Gericht die damals beschlossene Umstrukturierung der Flugtochter SAirLines. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm wie den anderen damaligen Verwaltungsräten in diesem Punkt Gläubigerschädigung und ungetreue Geschäftsführung vor.

"Reiner Buchungsvorgang"

Insbesondere verwahrte sich Corti gegen die Annahme der Anklage, dass mit der Eingliederung verschiedener Gruppenfirmen in die SAirLines und dem konzerninternen Schuldenerlass die Gruppe ihrer Flugtochter auf Kosten von Gläubigern "Geschenke" gemacht habe: "Das ist ein reiner Buchungsvorgang", sagte der Ex-Chef.

Als "wahnwitzige Vorstellung" bezeichnete er die Vorstellung, dass damals für die Flugbetriebe der Konkurs eingereicht hätte werden sollen. Die Konsequenz wäre ein Kollaps des Flugbetriebs, also ein "Grounding", gewesen. Zu diesem kam es letztlich doch noch - im Oktober.

Vorschusslohn

Keine Auskünfte machte Corti hingegen zum Anklagepunkt der Zahlungen an die Sabena, wo ihm ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen wird: In dieser Sache ist auch ein Zivilprozess anhängig. Bestätigt hat Corti, bei Antritt der Stelle im März 2001 zur "Absicherung seiner Familie" einen Vorschusslohn in der Höhe von 12 Mio. Schweizer Franken (7,4 Mio. Euro) erhalten zu haben.

Die Vernehmung Cortis stieß auf reges Interesse: Mehrere hundert Zuschauer wollten diese in der Stadthalle Bülach mitverfolgen. Corti ist nach Ex-Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny der zweite Angeklagte, der sich zu der Anklage äußert. (APA/sda)

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    Mario Corti war von März bis Oktober 2001 Swissair-Chef.

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