Bertelsmann-Konzern: Vom Liederbuch-Verlag zum Weltkonzern

5. März 2007, 13:38
posten
Bertelsmann hat sich in 170 Jahren von einem evangelischen Liederbuch-Verlag zum Weltkonzern gemausert - und ist mehrheitlich stets in Familienbesitz geblieben. Der Konzern mit einem Umsatz von 18 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2005 steht auf sechs Säulen:

RTL: Die Fernsehtochter RTL Group (Luxemburg) ist die größte Sparte im Konzern und wird von einem Österreicher, dem früheren ORF-Generaldirektor Gerhard Zeiler geführt. Die RTL Group sorgte 2005 für mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes und fast die Hälfte des operativen Ergebnisses. Sie betreibt 34 Fernsehsender in ganz Europa (RTL, M6, Five) und ist an 34 Radiostationen beteiligt. Die Produktionsfirma Freemantle kreiert Formate wie etwa "Deutschland sucht den Superstar" und handelt sich damit häufig den Vorwurf von Kritikern ein, platte Inhalte zu liefern.

Arvato: Die Industrie- und Dienstleistungstochter von Bertelsmann ist ein wahrer Gemischtwarenladen. Die Palette reicht vom industriellen Tiefdruck (Prinovis) bis hin zu Dienstleistungen wie einer Telefonauskunft ("1 18 18") und sogar der Übernahme ganzer Kommunalverwaltungen wie im englischen East Riding. Der bisherige Spartenchef Hartmut Ostrowski, der an die Konzernspitze wechselt, wird 2008 vom bisherigen Vorstandsmitglied Rolf Buch ersetzt.

Gruner + Jahr: An Europas größtem Zeitschriftenhaus in Hamburg hält Bertelsmann 74,9 Prozent der Anteile. Mit der Übernahme der Stuttgarter Motorpresse und dem Abstoßen von unrentablen US- Aktivitäten im Jahr 2005 hat Gruner + Jahr an Profitabilität gewonnen, muss sich aber immer noch der Krise auf dem Markt der Printmedien erwehren. In Österreich hält Gruner + Jahr die Mehrheit an der News-Gruppe, die den heimischen Magazinsektor dominiert. Vorstandschef ist Bernd Kundrun.

Random House: Die weltweit größte Buchverlagsgruppe mit Sitz in New York verbindet Anspruch und Kommerz. Die Verlage der Gruppe geben philosophische Abhandlungen und wissenschaftliche Literatur ebenso heraus wie Biografien von Boris Becker und Dieter Bohlen. Mit dem Autor Dan Brown ("The Da Vinci Code") hat Random House einen der weltweit erfolgreichsten Schriftsteller unter Vertrag. Künftig will die Gruppe auch stärker in den Markt mit Literaturverfilmungen einsteigen. Sie wird vom US-Amerikaner Peter Olson verantwortet.

Direct Group: Das Geschäft mit Buch- und Musikclubs ist die Keimzelle des modernen Bertelsmann-Konzerns. Mit dem Ausbau des deutschen Clubs hat Reinhard Mohn das gesamte Unternehmen nach dem Krieg groß gemacht. Das Geschäft schwächelte jahrelang vor allem in Deutschland und Großbritannien, ist aber inzwischen wieder profitabel. In Übersee aber auch etwa in Spanien und Portugal floriert die Clubidee ungebrochen. Vorstandschef ist Ewald Walgenbach, den deutschen Club verantwortet Fernando Carro.

Sony BMG: Die Musiksparte von Bertelsmann ist am vergangenen Jahr um das Verlagsgeschäft verkleinert worden. Der Musikverlag BMG Music Publishing ist an den Konkurrenten Universal, Tochter des französischen Vivendi-Konzerns verkauft worden. Übrig bleibt eine 50- Prozent-Beteiligung an der weltweit zweitgrößten Plattenfirma Sony BMG, mit dem früheren Bertelsmann-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz an der Spitze. Das Geschäft mit dem Verkauf von Tonträgern steckt weiterhin in der Krise, weil illegale Downloads im Internet die Gewinne schmälern. (APA/dpa)

Share if you care.