ORF soll laut Architekt Peichl am Küniglberg bleiben

5. März 2007, 12:15
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Planer der Landesstudios kritisiert Absiedlungsüberlegungen - ORF: Noch keine Entscheidung, es wird noch gerechnet

Der ORF soll am Wiener Küniglberg bleiben, lautet das klare Credo des Architekten und Karikaturisten Gustav Peichl. Der Planer der ORF-Landesstudios spricht sich im "Kurier" gegen den Auszug aus dem denkmalgeschützten ORF-Zentrum und für eine Sanierung aus. Peichl sieht das ORF-Zentrum als Beitrag zur Architektur und will "den Ruf und die Qualität einer Kulturinstitution" bewahren.

"Minimalsanierung" würde 60 Mio. Euro kosten

Die Entscheidung darüber, ob das ORF-Gebäude saniert wird oder der öffentlich-rechtliche Sender überhaupt an einen neuen Standort wechselt, dürfte im ersten Quartal 2007 fallen. Kommenden Samstag wird sich der ORF-Stiftungsrat in einer Klausur mit dem Thema beschäftigen. Nach bisherigen ORF-Berechnungen würde eine "Minimalsanierung", bei der die gröbsten Baumängel behoben werden, etwa 60 Millionen Euro kosten, für eine "Maximalsanierung" werden bis zu 140 Millionen veranschlagt. Die Kostenschätzungen für einen Neubau - etwa am geplanten Zentralbahnhof am Südbahnhofareal - belaufen sich auf bis zu 170 Millionen Euro.

"Keine Kulturmenschen haben das Sagen"

Architekt Peichl ortet im ORF "die Tragödie, dass jetzt politische und kaufmännische Interessen im Vordergrund stehen und heute keine Kulturmenschen das Sagen haben". Für Peichl ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter seinem ehemaligen Generalintendanten Gerd Bacher international zum Vorbild eines neuen Fernsehzentrums geworden. "Schlimm, dass manche jetzt ein Riesengeschäft machen, tausende Wohnungen hinbauen und Investoren viel Geld verdienen wollen. Aber so kann man mit dem Küniglberg doch nicht umgehen", erklärt der Bacher-Vertraute.

"Die Probleme am Küniglberg sind viel geringer als bei vielen anderen Neubauten in Wien, die in Ruhe saniert werden." Etwas "Neues" zu planen dauere hingegen sehr lang und brauche gute junge Architekten. Auch die Kosten würden laut Peichl für eine Sanierung sprechen, die "intelligent gemacht, mit Kulturbewusstsein, einem guten Architekten und einer guten Firma sicher viel günstiger ist als jeder Standort gleicher Größe".

Strobl weist Peichl-Kritik zurück

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz will den ORF-Stiftungsräten am Samstag seine Vorstellungen zum Thema unterbreiten. Sein Kommunikationschef Pius Strobl, der von Peichl auch persönlich attackiert wurde, kommentierte die Aussagen auf Anfrage der APA zurückhaltend. Kritik weist Strobl, der sich in seiner Funktion als grüner Stiftungsrat für eine Übersiedlung des ORF stark gemacht hatte, zurück. "Mir ist nicht bekannt, auf welcher Basis die Aussagen Peichls getroffen wurden. Es gibt höchst professionelle Unterlagen von mehreren Gutachtern", so Strobl.

Derzeit gebe es aber weder einen Beschluss für, noch einen gegen Sanierung. "Es wird von Fachleuten nämlich noch gerechnet." In der Klausur des Stiftungsrats am kommenden Samstag werde es einen ersten Zwischenbericht geben. In der Stiftungsratssitzung am 22. Februar seien weitere Gespräche geplant. Danach werde das ORF-Gremium über die Standortfrage entscheiden. "Es geht um die bestmögliche Lösung für den ORF", so Strobl. Der Symbolwert des Küniglbergs sei dabei natürlich zu berücksichtigen.

Strobl: "Ich bin nur ein unbedeutendes Rädchen"

Zur Kritik, dass er ein "Feind der Bacher-Ära" sei, "verbrannte Erde" wolle und den Küniglberg abreißen und verkaufen wolle, meinte Strobl in Richtung Peichl: "Ich bin nur ein unbedeutendes Rädchen. Ich kann diese Entscheidung nicht beeinflussen, sondern sie nur kommunizieren. Sicher ist: Es wird immer einen ORF geben, und das ORF-Zentrum wird sicher nicht abgerissen. Da hätte schon das Bundesdenkmalamt etwas dagegen." Dass er ein Bacher-Feind sei, stimme sicher nicht. "Zu Bacher gibt's nur good Feelings. Dass wir mit der Vergangenheit des ORF nicht brechen wollen, hat doch schon die Rückkehr des ORF-Auges signalisiert." (APA)

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